Projekt

Gewaltsamer Vertreibung begegnen, Frieden in Mindanao fördern

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Philippinen

Projektlaufzeit

2020 bis 2023

Konfliktkontext: Die Inselgruppe Mindanao im Süden der Philippinen gilt als strukturschwächste Region des Landes. Seit Jahrzehnten wird sie von gewaltsamen Auseinandersetzungen erschüttert. Neben bewaffneten Konflikten zwischen Militär und verschiedenen Rebellen- und Separatistengruppen, bestimmen Ressourcenkonflikte und Konflikte zwischen ethnischen Gruppen und Clans die politische Landschaft. Offiziell beendete 2014 ein Friedensvertrag zwischen philippinischer Regierung und der größten lokalen Rebellengruppe MILF (Moro Islamic Liberation Front) den bewaffneten Konflikt. Vereinbart wurde die Gründung einer autonomen Region Bangsamoro („Nation der Moro“). Dennoch kommt es nach wie vor zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, in deren Zuge insbesondere benachteiligte und randständige Gruppen kurzfristig, gewaltsam und wiederholt vertrieben werden. Im Mai 2017 nahmen IS-nahe Gruppen die Stadt Marawi ein, woraufhin Präsident Rodrigo Duterte das Kriegsrecht verhängte. Es kam zu Gefechten, die bis Oktober 2017 andauerten. Mehrere hunderttausend Menschen wurden vertrieben, weite Teile Marawis zerstört. Das Kriegsrecht wurde mehrfach verlängert, zuletzt bis Ende 2019. Auch die Konflikte mit der „Neuen Volksarmee“ (NPA), dem bewaffneten Arm der kommunistischen Partei der Philippinen (CPP), dauern an. Zu Beginn seiner Amtszeit in 2016 existierten große Hoffnungen, dass Präsident Duterte die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und der Trias aus NPA, CPP und der verbündeten National Democratic Front (NDF) voranbringen könne. Nach wiederholten Gefechten zwischen philippinischem Militär und NPA beendete die Regierung im November 2017 die Friedensgespräche endgültig. Die Friedensprozesse geraten durch das Aufflammen der Gewalt immer wieder ins Wanken. Auch fühlen sich nicht alle Bevölkerungsgruppen in den Friedensprozessen ausreichend berücksichtigt oder in der Lage, sich in diesen einzubringen. Darüber hinaus bestehen strukturelle Konfliktursachen fort: die ungleiche Verteilung von Land und natürlichen Ressourcen, die Ausgrenzung großer, insbesondere muslimischer und indigener Bevölkerungsgruppen, sowie die weitverbreitete Armut. Trotz dieser Hindernisse und Rückschläge konnte der Friedensprozess mit der MILF vorangebracht werden. Ende Februar 2019 übernahm deren Vorsitzender Murad Ebrahim die Leitung der Übergangsbehörde zur Bildung der Autonomen Region Bangsamoro. Er und sein 80-köpfiges Team stehen vor immensen Herausforderungen.

Projekt: Viele Teile der Bevölkerung Mindanaos sind stark von kurzfristiger, gewaltsamer und wiederholter Vertreibung und deren Folgen betroffen. Gründe dafür sind vor allem Gewalt, wirtschaftliche Instabilität und Naturkatastrophen. Unter den Auswirkungen leiden in erster Linie die Vertriebenen selbst. Aber auch der soziale Zusammenhalt in ohnehin fragilen Gemeindestrukturen ist dadurch stark belastet. Besonders betroffen sind die Caraga-Region im Nordosten Mindanaos und die neu gegründete autonome Region Bangsamoro im Westen einschließlich der angrenzenden Gebiete. Die Umstrukturierung des ZFD-Projekts im Rahmen der „Sonderinitiative Flucht“ trägt diesem Umstand Rechnung. Es erweitert das bestehende Engagement des ZFD auf Mindanao und baut auf den bereits etablierten Partnerschaften mit lokalen Friedensakteurinnen und -akteuren auf. Es trägt sowohl zur gewaltfreien Bearbeitung von lokalen (Ressourcen-) Konflikten, als auch zur Gewaltprävention bei. Der ZFD stärkt die lokale Bevölkerung in den besonders betroffenen Gebieten und fördert deren nachhaltige und konfliktsensible Mitwirkung an den Friedens- und politischen Enzscheidungsprozessen. Darüber hinaus leistet er einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände, des sozialen Zusammenhalts und zur Minderung von Fluchtursachen in der Region. Partnerorganisationen und Fachkräfte bauen gemeinsam Mechanismen und Dialogräume zur gewaltfreien Bearbeitung lokaler Konflikte auf. Benachteiligte und randständige Bevölkerungsgruppen, insbesondere Frauen, Jugendliche, indigene Gemeinschaften und von gewaltsamer Vertreibung betroffene Menschen werden darin unterstützt, ihre Interessen und Bedürfnisse in die Friedensprozesse einzubringen. Der Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen ist in den entlegenen Gebieten Mindanaos für weite Teile der Bevölkerung unzureichend. Dies trägt zu Radikalisierung, Manipulation und Ablehnung der Friedensprozesse bei. Gemeinsam mit seinen Partnern schafft der ZFD Abhilfe; durch die Aufbereitung von Informationen, die gezielte Stärkung der Kompetenzen von Medienschaffenden und die Durchführung von Dialogforen Um der schwierigen Situation der Menschen und Gemeinden, die von gewaltsamer Vertreibung betroffen sind, gerecht zu werden, arbeiten Partner und Fachkräfte auf lokaler Ebene mit einem breiten Bündnis aus lokalen und regionalen Friedensakteurinnen und -akteuren, einschließlich staatlicher Stellen und zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie religiöser und kommunaler Gemeindevorstehenden zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Maßnahmen, die Widerstandskraft, Toleranz und Handlungsfähigkeit innerhalb der betroffenen Gemeinden erhöhen.

Projektpartner

Al Qalam Institute – Ateneo de Davao University (AQI)
Civil Society Organization Forum for Peace Incorporated (CSO-FP)
Initiatives for International Dialogue (IID)
Institute for Peace and Development (IPDM) an der Mindanao State University (MSU)
Mindanao Peoples’ Peace Movement (MPPM)
National Commission on Indigenous Peoples (NCIP)
Pailig Development Foundation Inc. (PDFI)

Projektstandorte

Bangsamoro und angrenzende Gebiete
Caraga Region
Davao City
Iligan City
Lanao del Norte
Lanao del Sur
Manila
Marawi City
Mindanao

Zielgruppen

Von gewaltsamer Vertreibung betroffene Gemeinden, indigene Bevölkerung, die muslimischen Minderheiten (Moros), Binnenvertriebene (IDP), Migrantinnen und Migranten, Jugend, Frauen, Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Medienschaffende; staatliche Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen als Mittler

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

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Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

4. Quartal 2020