Projekt

Gewalt verhindern: Geflüchtete und einheimische Jugendliche gehen aufeinander zu

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Ruanda

Projektlaufzeit

2014 bis 2023

Konfliktkontext: Seit dem Völkermord von 1994 an den Tutsi hat Ruanda große Fortschritte erzielt, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber auch was Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung anbelangt. Eine Herausforderung stellt aktuell die große Zahl an Geflüchteten im Land dar. Aufgrund der politischen Instabilität und der gewaltsamen Konflikte in Zentralafrika und der Region der Großen Seen ist Ruanda seit langem Anlaufstelle für Geflüchtete, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo und Burundi. Laut Regierung befanden sich im November 2018 150.448 Geflüchtete in Ruanda, von denen die meisten in den sechs Camps des „Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen“ (UNHCR) untergekommen waren. Etwa 60 Prozent der Geflüchteten sind unter 18 Jahre alt.

Projekt: Mit seinen ruandischen Partnerorganisationen arbeitet der ZFD im Umfeld von drei UNHCR-Camps daran, Jugendlichen neue Perspektiven für ihr Leben zu eröffnen. Durch gemeinsame Aktivitäten überwinden einheimische und geflüchtete Jugendliche negative Vorurteile und kooperieren miteinander. Das gelingt durch konstruktiven Dialog in gemischten „Friedensclubs“, durch Theater-, Sport- und Musikprojekte genauso wie im Rahmen von gemeinsamen Workshops etwa zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung. „Unser Ziel ist es, die Jugend zu vereinen, damit wir friedlich zusammenleben. Es spielt keine Rolle, welche Wurzeln jemand hat“, bringt ein Teilnehmer einer Theatergruppe den Kern aller Aktivitäten auf den Punkt. Weit über 1.000 Jugendliche haben seit Projektstart an den Veranstaltungen teilgenommen. Ein eindrucksvolles Zeugnis, dass sich die gemeinschaftliche Erfahrung verselbständigt, ist „Kigeme Iwacu – Our Home“ (siehe Publikationsdatenbank unter: www.ziviler-friedensdienst.org/publikationen). Die Zeitung wurde von Teilnehmenden einer Schulung in konfliktsensiblem Journalismus ins Leben gerufen. Anfangs lag der Fokus auf der Situation rund um das Kigeme Geflüchtetenlager. Inzwischen hat die Zeitung ihren Fokus erweitert und ist in neuer Form in allen drei Camps verbreitet. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt in der Traumaarbeit. Viele Geflüchtete haben massive Gewalt erfahren. Die psychologische Betreuung in den Camps ist jedoch meist unzureichend. Psychosoziale Unterstützungsangebote sollen dabei helfen, die Traumata zu verarbeiten, die Stigmatisierung Traumatisierter abzubauen und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu fördern. Es wurden bereits über 100 „Community Psychosocial Workers“ (klinische Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auf Gemeindeebene) in Traumaarbeit, aktivem Zuhören und soziotherapeutischen Ansätzen geschult. Sie konnten über 1.000 Geflüchtete mit psychosozialer Unterstützung versorgen. 55 Geflüchtete und Ruanderinnen und Ruander wurden als „Friedensbotschafterinnen und -botschafter“ trainiert. Sie schulen und beraten nun in konstruktiver Konfliktbearbeitung. Sie treffen sich monatlich zum „Friedensdialog“, in dem sie sich austauschen und konkrete Konflikte erörtern, die sowohl die Camps der Geflüchteten, als auch die Aufnahmegemeinden betreffen.

Projektpartner

Community Based Sociotherapy (CBS)
Eglise Evangélique des Amis au Rwanda (EEAR)
Ejo Youth Echo (EYE)
Legal Aid Forum (LAF)
Office of the United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR)
Rwanda Red Cross (RRC)
Vision Jeunesse Nouvelle (VJN)

Projektstandorte

Huye
Kigali
Kigeme Geflüchtetencamp
Mahama Geflüchtetencamp
Mugombwa Geflüchtetencamp

Zielgruppen

jugendliche Geflüchtete und Jugendliche aus Dörfern; Frauen und Mädchen, Männer und Jungen, die Opfer von Gewalt wurden; Vertreterinnen und Vertreter der Geflüchteten und Aufnahmegemeinden

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

2

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

4. Quartal 2020