Projekt

Gemeinsam statt gegeneinander: Geflüchtete und Einheimische regeln ihr Zusammenleben

ZFD-Akteur

Forum Ziviler Friedensdienst

Projektland

Libanon

Projektlaufzeit

2014 bis 2021

Konfliktkontext: Der Libanon befindet sich in einem instabilen Zustand. Der Bürgerkrieg von 1975 bis 1990, die israelische Besatzung bis 2000, die syrische Besatzung bis 2005, der Krieg zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel, sowie innenpolitische Auseinandersetzungen haben im sozialen Gefüge der ohnehin gespaltenen libanesischen Gesellschaft Misstrauen und Ängste hinterlassen. Das Klima der Gewalt ist geblieben. Der Dialog zwischen den 18 anerkannten Religionsgemeinschaften und den politischen Lagern gestaltet sich schwierig, denn es gibt kaum Initiativen, die sich unabhängig von konfessioneller, politischer, regionaler oder familiärer Färbung engagieren. Seit 2011 belastet der Krieg im Nachbarland Syrien auch den Libanon. Durch die Beteiligung der Hisbollah-Miliz und sunnitischen Islamisten wird der Libanon seit 2013 direkt in den Syrienkrieg hineingezogen. Knapp eine Million syrische Geflüchtete wurden im Libanon offiziell registriert. Geschätzt wird, dass insgesamt 1,5 Millionen Menschen im Land untergekommen sind. Damit beherbergt der Libanon im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung die meisten Geflüchteten weltweit. Eine große Herausforderung für ein Land, das genug mit sich selbst zu kämpfen hat und bis heute zwischen Instabilität und Stagnation schwankt. Die Infrastruktur ist überlastet und der wirtschaftliche Druck verschärft sich. Spannungen zwischen Geflüchteten und Einheimischen nehmen zu. Im Mai 2018 fanden die ersten Parlamentswahlen seit 2009 statt, doch die politische Arbeit für eine grundlegende politische Veränderung gestaltet sich aufgrund stark divergierender Positionen der politischen und konfessionellen Lager schwierig.

Projekt: Damit die Konflikte zwischen Geflüchteten und Einheimischen nicht eskalieren, engagiert sich der ZFD mit seinen lokalen Partnerorganisationen in Gemeinden der Bekaa-Ebene (Grenzregion zu Syrien) und im Nordlibanon (Tripoli) sowie in Beirut für ein friedliches Miteinander. Gemeinschaftsprojekte bringen Geflüchtete und Einheimische zusammen, damit sie mit vereinten Kräften etwas für die Gemeinde leisten. In den Gemeinden werden außerdem „Community Activists“ (Gemeinwesenarbeiterinnen und -arbeiter) ausgebildet. Sie entwickeln Projekte mit syrischen Geflüchteten und den libanesischen Gemeinden. Ebenso schaffen sie Räume, in denen Einheimische und Geflüchtete miteinander über ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen sprechen und gemeinsam konkrete Wege zur Verbesserung erarbeiten. Um das Miteinander der verschiedenen konfessionellen und ethnischen Gruppen zu fördern, wird an der Aufarbeitung des libanesischen Bürgerkriegs angesetzt. Die traumatischen Erfahrungen und das Fehlen eines gemeinsamen Geschichtsverständnisses führen bis heute zu Konflikten und tragen dazu bei, die gesellschaftliche Spaltung im Land aufrechtzuerhalten. Um dem entgegenzuwirken wurde beispielsweise ein Handbuch entwickelt, das unterschiedliche Narrative und Sichtweisen des Bürgerkrieges aufzeigt. Durch solche multinarrativen Ansätze wird die Akzeptanz der verschiedenen Sichtweisen gefördert. Obwohl der Bedarf und das Interesse groß sind, fehlt es, insbesondere außerhalb von Beirut, an professionellen Fort- und Weiterbildungen in ziviler Konfliktbearbeitung. Lehrkräfte aus der formellen und informellen Bildung werden geschult, konstruktiv mit Konflikten umzugehen. Anschließend setzen sie ihre Kenntnisse in Schulen, Jugendzentren und Vereinen um. Auch zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure werden geschult und in der Umsetzung friedensfördernder Projekte beraten. Hierfür wurde eigens ein Trainingsmanual entwickelt, das gewaltfreie Konfliktbearbeitung in Theorie und Praxis vermittelt. Auf diese Weise werden die Teilnehmenden nicht nur dabei unterstützt, eigene Projekte zu entwickeln, sondern auch dazu befähigt, die Praxis der gewaltfreien Konfliktbearbeitung weiterzugeben.

Projektpartner

Fighters for Peace
Al-JANA/ARCPA
Basmeh & Zeitooneh
House of Peace (HoPe)
Lebanese Association for History (LAH)
Lebanon Support
lokale Stadtverwaltungen
MARCH Lebanon
Rassemblement démocratique des femmes libanaises
Ruwwad al-Tanmeya
Schulen
Shift – Social Innovation Hub
Steps – Civil Company for Change
We love Tripoli
zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure

Projektstandorte

Beirut
Bekaa Ebene
Tripoli

Zielgruppen

Mitarbeitende der Partnerorganisationen sowie Mitglieder der Kommunen und unter den Geflüchteten, die Gemeindeprojekte planen, organisieren und durchführen

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

8

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

3. Quartal 2020