Projekt

Gemeinsam statt gegeneinander: Dialog schlichtet Konflikte

ZFD-Akteur

AGIAMONDO

Projektland

Kenia

Projektlaufzeit

2018 bis 2021

Konfliktkontext: Die politische Situation in Kenia hat sich trotz begonnener Reformvorhaben unter der Regierung Kenyatta nicht stabilisiert. In den letzten Jahren haben sich die Konflikte zwischen lokalen ethnischen Gruppen um Zugang und Nutzung von Ressourcen (vor allem im Bereich Land und Wasser), aber auch die Konfrontationen um ethnische und religiöse Identität (Radikalisierung) verstärkt. Es ist eine vermehrte islamistische Radikalisierung bis hin zum Extremismus zu beobachten, die mit einem hohen Maß an Gewaltbereitschaft einhergeht. Diese Entwicklung wird zunehmend zur sicherheitspolitischen, aber auch gesellschaftlichen Herausforderung. Die in Ostafrika operierende Al-Shabaab-Miliz sowie deren autonom in Kenia agierende Gruppen üben eine hohe Anziehungskraft insbesondere auf Jugendliche aus. Die Hauptgründe hierfür liegen in den fehlenden sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven, aber auch in der Suche nach kultureller und religiöser Identität und Vorbildern. In der Küstenregion, insbesondere im Nordosten des Landes, bewirken deren Gewalttaten eine massive Destabilisierung und zunehmende Entkoppelung von der Zentralregion und Nairobi. Die Regionen sind dadurch zunehmend auf sich allein gestellt. Die Wahlen 2017 gingen mit wochenlangen Unruhen einher und haben das Land weiter polarisiert. Der erste Urnengang wurde für ungültig erklärt. Die Neuwahlen wurden von der Opposition boykottiert. Bei geringer Wahlbeteiligung wurde Präsident Uhuru Kenyatta für eine weitere Amtszeit bestätigt. Sein Kontrahent Raila Odinga ernannte sich daraufhin zum „Präsidenten des Volkes“. Die Lage beruhigte sich, als sich Kenyatta und Odinga im März 2018 überraschend auf einen „Unity Deal“ einigten. Darin liegt grundsätzlich das Potenzial, das Land zu einen und zu stabilisieren. Bislang bleiben die Übereinkünfte jedoch zu vage. Das Konfliktpotential ist ungebrochen.

Projekt: Die einflussreichen, vor allem christlichen und muslimischen Religionsgemeinschaften stehen öffentlich für eine engere Kooperation ein. Damit positionieren sie sich gegen religiös-politisch motivierte Gewalt und für politische Reformen. Seit 2015 haben sich vielerorts interreligiöse Komitees gebildet, die auf lokaler, County- und nationaler Ebene zunehmend an Einfluss gewinnen. Hier setzt auch der ZFD mit seinen Partnerorganisationen an: Durch den Dialog zwischen den Religionen werden Spannungen auf lokaler Ebene abgebaut, bevor sie eskalieren und Radikalisierung befördern. Es hat sich gezeigt, dass interreligiös vor- und vorangebrachte Positionen mehr Respekt und Kompromissbereitschaft in Politik und Bevölkerung erzielen, als wenn sie von einzelnen vertreten werden. Das Projekt arbeitet auch daran, religiöse Autoritäten und weitere kirchliche Partner in der Küsten- und Zentralregion/Nairobi miteinander zu vernetzen, um dem „Auseinanderdriften“ des Landes entgegenzuwirken. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteurinnen und Akteuren entwickelt das Projekt Initiativen zur Beilegung von Ressourcenkonflikten und fördert hierzu erforderliche Dialogprozesse. Dadurch nutzen die lokalen Interessengruppen vermehrt gewaltvermeidende Lösungsansätze und stabilisieren die Lebensgrundlagen in den Projektregionen. Derzeit wird die Zusammenarbeit mit nichtkommerziellen Medien zu Konflikt- und Gerechtigkeitsthemen ausgebaut, so zum Beispiel mit dem katholischen Sender Radio Waumini. Dadurch kann auch die ländliche Bevölkerung in schwer zugänglichen Regionen erreicht und einbezogen werden.

Projektpartner

Association of Sisters in Kenya
Coast Inter-Faith Council of Clerics Trust (CICC)
Erzdiözese Mombasa
Justice, Peace and Integrity of Creation Centre – Encounter and Dialogue (JPIC-ED)
Kommission Gerechtigkeit und Frieden (KGF) der Diözesen Lodwar, Ngong, Maralal
Kommission Gerechtigkeit und Frieden (KGF) der kenianischen katholischen Bischofskonferenz (KCCB)
Missionaries of Africa (MAfr)/Tangaza College
Radio Waumini

Projektstandorte

Diözese Eldoret
Diözese Lodwar
Diözese Maralal
Diözese Nakuru
Diözese Ngong
Diözese Nyahururu
Küstenregion (Kenia)
Mombasa
Nairobi
Zentral-Kenia

Zielgruppen

allgemeine Bevölkerung, religiöse Führungspersonen, Frauen und Jugendliche

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

10

Stand

2. Quartal 2021