Projekte

Es geht auch anders: Jugend vereinen und Friedenserziehung etablieren

ZFD-Akteur: AGIAMONDO
Projektland: IsraelNaher OstenPalästinensische Gebiete
Projektlaufzeit: 
2017 bis 2020

Konfliktkontext: Religiös aufgeladen, hochgradig militarisiert, komplex und festgefahren, sind die Merkmale des Nahostkonflikts, der seit über 70 Jahren währt. Auf die Staatsgründung Israels 1948 folgte unmittelbar der erste „Israelisch-Arabische Krieg“, der mit umfangreichen Vertreibungen der in der Region ansässigen palästinensischen Bevölkerung einherging. Seitdem kam es vielfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. 1967 besetzte Israel das Westjordanland und den Gazastreifen, Gebiete, die nach dem „UN-Teilungsplan für Palästina“ von 1947 der palästinensischen Bevölkerung zustehen. Gaza blieb bis 2005 besetzt, das Westjordanland ist in großen Teilen weiterhin unter israelischer Kontrolle. Der andauernde israelische Siedlungsbau macht aus dem Gebiet einen Flickenteppich. Die palästinensische Bevölkerung ist hier Repressionen wie Landenteignung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, willkürlichen Verhaftungen sowie Hausdurchsuchungen und -zerstörungen ausgesetzt. Im Gazastreifen ist die Lage mittlerweile noch katastrophaler. Seit 2007 hat sich die Blockade durch Israel und Ägypten und damit die Versorgungslage weiter verschärft. Sieben von zehn Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die UN schätzen, dass das Gebiet bis 2020 unbewohnbar sein wird. Angesichts der aussichtslosen Lebensbedingungen haben sich in weiten Teilen Frust und Resignation breitgemacht. Israelis müssen ihrerseits mit der permanenten Bedrohung durch Raketenbeschuss und Anschläge rechnen. Auch die traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit, insbesondere durch den Holocaust, lasten weiter auf der Bevölkerung. Umstrittene politische Entscheidungen der USA haben den Konflikt in jüngster Zeit weiter befeuert: 2017 durch die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt, 2019 durch die Anerkennung der seit 1967 von Israel besetzten Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet. An Friedensverhandlungen ist momentan kaum zu denken. Auch der Druck auf die Zivilgesellschaft steigt. Der Raum für gewaltfreie Initiativen schrumpft stetig. Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten werden bestenfalls als naiv, schlimmstenfalls als Verräter angesehen.

Projekt: Mit diesem Projekt versucht der ZFD, eine Lanze für jene zu brechen, die der Toleranz und Gewaltfreiheit verpflichtet sind. Gegenseitiges Verständnis, gemeinsame Projekte und die Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen sollen der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung und politischen Eskalation entgegenwirken. Die Partnerorganisationen stammen aus dem kirchlichen wie auch aus dem zivilen Umfeld. Durch den wachsenden Widerstand innerhalb beider Gesellschaften kommt es immer seltener zu grenzübergreifender Zusammenarbeit. Viele Organisationen fühlen sich dem Druck nicht mehr gewachsen. Gerade deshalb ist es wichtig, bestehende „cross-border“-Kooperationen zu fördern und gemeinsame Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Viele der Partner verfügen noch nicht über die notwendigen Kompetenzen, Ressourcen und Strukturen, um ihre Arbeit effizient zu gestalten. Neben der zielgruppenorientierten Arbeit geht es daher auch darum, die Partner darin zu unterstützen, die Wirkung ihrer Arbeit zu steigern. Das schließt neben strategischer und organisatorischer Beratung auch Trainings in Kommunikation und Konfliktbearbeitung ein. Zusätzlich arbeiten die ZFD-Fachkräfte direkt als Trainerinnen und Vermittler mit Jugendlichen, ehemaligen Strafgefangenen, Lehrern und Multiplikatorinnen. Weder auf israelischer, noch auf palästinensischer Seite wird derzeit über gewaltfreie Mittel zur Konfliktlösung diskutiert. Selbst im privaten Umfeld sind gewaltfreie Handlungsoptionen kaum präsent. Hier gilt es, gewaltfreie Wege der Konfliktbearbeitung zu puschen – im Privaten, genauso wie im Öffentlichen. Ein spezielles Augenmerk wird auf die Belange besonders verletzlicher Gruppen gerichtet: die in Israel lebende arabische Bevölkerung, die in Ost-Jerusalem lebenden palästinensischen Geflüchteten, die über keine Staatsangehörigkeit verfügen, sowie Kinder alleinerziehender Mütter, die selbst zwar in Israel geboren wurden, deren Mütter aber nach Israel eingewandert sind. Im Jugendalter sind diese Kinder zwischen der Kultur ihrer Eltern und dem Wunsch nach Integration in die israelische Gesellschaft hin- und hergerissen. Zugleich macht sich bei ihnen Frust breit, weil ihre Chancen, als gleichberechtigt angenommen zu werden, gering sind.

Projektpartner: 
Bialik High School
Combatants for Peace
Deutscher Verein vom Heiligen Lande
Holy Land Trust
House of Grace
Kairos Palestine
Parents Circle Families Forum
St. James Vicariate
The Catholic Human Rights Society of St. Yves
Projektstandorte: 
Bethlehem
Biddu
Haifa
Jerusalem
Tel Aviv
Zielgruppen: 
benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Israel und den Palästinensischen Gebieten (Migrantinnen und Migranten, alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, in Israel lebende arabische Bevölkerung, ehemalige Strafgefangene, geflüchtete palästinensische Bevölkerung in Ost-Jerusalem), Jugendliche, Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Angehörige sozialer Berufe und andere gesellschaftliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, wie etwa die Mitarbeiterinnen der einzelnen Partnerorganisationen, aber auch die allgemeine Öffentlichkeit
ZFD-Fachkräfte (im Einsatz): 
8
Stand: 
2. Quartal 2020