Projekt

Durch Dialog Konflikte bearbeiten

ZFD-Akteur

AGIAMONDO

Projektland

Kamerun

Projektlaufzeit

2018 bis 2023

Konfliktkontext: Im Vergleich zu seinen Nachbarländern galt Kamerun lange als relativ stabil. Doch seit 2013 wird der Norden von der Boko-Haram-Miliz heimgesucht. Im Westen kommt es seit Ende 2016 zu gewaltsamen Konflikten. Armut, Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeit und Landkonflikte sorgen schon länger für Unzufriedenheit. Vor dem Hintergrund der prekären Lebensbedingungen braucht es nicht viel, damit sich der Frust gewaltsam entlädt. Die Gesellschaft ist außerdem durch eine wachsende Zerklüftung gekennzeichnet. Es wird immer wichtiger, welcher Ethnie oder Religion ein Mensch angehört, aus welcher Region er kommt, welche Sprache sie spricht. Die Grenzen zwischen politischen Lagern werden zunehmend zu Grenzen zwischen ethnischen Gruppen. Auch der Konflikt zwischen den Generationen verschärft sich: Junge Menschen werden in der traditionell geprägten Gesellschaft kaum gehört. Dabei sind allein 43 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Für radikale Gruppen sind sie ein gefundenes Fressen. Die Instabilität der Nachbarländer stellt Kamerun vor zusätzliche Herausforderungen. Rund 350.000 Menschen aus Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik haben im Land Schutz gesucht. Hinzu kommen etwa 680.000 Binnengeflüchtete (UNHCR, Stand: 31.12.18). Es treten vermehrt Verteilungskonflikte zwischen ortsansässiger Bevölkerung und Geflüchteten zutage. Die Wiederwahl des seit 35 Jahren regierenden Präsidenten Paul Biyas Ende 2018 konnte die Stimmung nicht beruhigen, im Gegenteil – die Situation eskalierte weiter. Wer sich öffentlich gegen die desolaten Zustände positioniert, läuft Gefahr bedroht, drangsaliert oder verhaftet zu werden.

Projekt: In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl an Geflüchteten und Binnenvertriebenen in Kamerun sprunghaft angestiegen: Seit 2009 terrorisiert Boko Haram den Nordosten des Nachbarlandes Nigeria, seit 2013 auch den Norden Kameruns. Seit 2013 wütet in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) ein Bürgerkrieg. Seit Ende 2016 flammt die Gewalt in den anglophonen Regionen Kameruns auf. Die Akzeptanz der kamerunischen Bevölkerung und Politik gegenüber Geflüchteten ist über die Jahre gesunken. Zwangsläufig kommt es in den Aufnahmegemeinden zu Konflikten, die bei den ohnehin schwierigen Lebensumständen schnell eskalieren. Mit diesem Projekt, das sich derzeit noch in der Aufbauphase befindet, soll ein friedliches Zusammenleben von einheimischer Bevölkerung und Geflüchteten gefördert werden. Dabei wird vor allem auf (interreligiösen) Dialog, Begegnung und gemeinsame Aktivitäten gesetzt. Beide Seiten sollen in ihrer Konfliktlösekompetenz gestärkt werden, damit Konflikte vermieden beziehungsweise konstruktiv angegangen werden können. Die Bevölkerung in den betroffenen Regionen, aber auch die Verantwortlichen in der Politik werden für die Belange der Geflüchteten und Binnenvertriebenen sensibilisiert. Den Geflüchteten und Vertriebenen wird ihrerseits bei der Bewältigung erlittener Traumata geholfen. Hauptpartner des Projekts ist die katholische Kirche in Kamerun. Sie verfügt über eine weit verzweigte, gleichmäßig in der Fläche verteilte Präsenz, und auch über eine große Akzeptanz in der Bevölkerung, und zwar nicht nur innerhalb der katholischen Gemeinschaft, sondern auch bei den anderen Konfessionen. Auch eine grenzübergreifende Zusammenarbeit, insbesondere mit dem ZFD-Projekt in der ZAR, wird angestrebt.

Projektpartner

Erzbistum Bertoua
Erzbistum Douala
Erzbistum Garoua
Jesuit Refugees Service (JRS)
Network Foi et Justice

Projektstandorte

Erzbistum Bertoua (Region Ost)
Erzbistum Douala (Region Littoral)
Erzbistum Garoua (Regionen Nord und Hoher Norden)

Zielgruppen

Kirchliche Gruppen (Jugendgruppen, Justitia et Pax Komitees in den Kirchengemeinden), Einheimische und Geflüchtete in Aufnahmegemeinden, lokale, religiöse und traditionelle Autoritäten, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf lokaler Ebene

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

4

Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

4. Quartal 2020