Projekt

Dialog stärken in einer gespaltenen Gesellschaft

ZFD-Akteur

Brot für die Welt

Projektland

Nepal

Projektlaufzeit

2016 bis 2020

Konfliktkontext: Nepal ist bis heute von einem zehnjährigen Bürgerkrieg gezeichnet. Zwar wurde der bewaffnete Konflikt 2006 offiziell beigelegt, doch seine Ursachen wurden nur unzureichend behoben und die Geschehnisse kaum aufgearbeitet. Das Erdbeben in 2015 hat das Land zudem in seiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen. Die Gesellschaft ist entlang ethnischer, religiöser und politischer Linien tief gespalten. Armut und soziale Ungerechtigkeit bestimmen den Alltag großer Teile der Bevölkerung. Die soziale Stellung wird weitgehend durch Kaste, Geschlecht und Ethnie bestimmt. Der Rechtsstaat funktioniert nur unzulänglich, Korruption und Misswirtschaft sind verbreitet. Es überwiegt ein Klima der Straflosigkeit. In der Bevölkerung sind Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit verbreitet. Dieser Unmut äußert sich regelmäßig in Protesten und Streiks. Sporadisch kommt es zu Sprengstoffanschlägen, so etwa Ende Mai 2019 in der Hauptstadt Kathmandu. Seit dem Friedensabkommen von 2006 wurden wichtige Schritte in Richtung Frieden und Demokratie unternommen: 2008 wurde die Monarchie abgeschafft und die Demokratische Bundesrepublik Nepal ausgerufen. Ende 2015 wurde nach jahrelangem Ringen eine neue Verfassung verabschiedet. 2017 fanden die ersten lokalen Wahlen seit über 20 Jahren statt, Ende 2017 folgten die Parlaments- und Provinzwahlen. Doch all dies hat nicht dazu beigetragen, das Land zu stabilisieren und die Bevölkerung zu einen. Die neue Verfassung hat dazu geführt, dass latente, besonders ethnische Konflikte wieder aufbrechen. Minderheiten sowie vom Bürgerkrieg besonders betroffene Gruppen sind in der Verfassung nicht ausreichend berücksichtigt. Auch die Föderalisierung des Landes und die damit einhergehende Grenzziehung zu neuen Bundesstaaten erregen den Zorn vieler Menschen. Die Auseinandersetzung mit der gewaltvollen Vergangenheit wurde von staatlicher Seite erst 2015 aufgenommen. Bis dahin war der Umgang durch Verdrängung geprägt, was die erforderliche juristische und psychosoziale Aufarbeitung erschwert hat. Sowohl Opfer, als auch Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger (MRV) wurden eher bedroht, als dass sie Unterstützung erfahren hätten. Auch gegenwärtig ist die Sicherheitslage von MRV kritisch und ihr Handlungsspielraum eingeschränkt. Sie sind dem Risiko ausgesetzt, bedroht, verleumdet und kriminalisiert zu werden.

Projekt: Das Projekt verfolgt zwei wesentliche Ziele: zum einen die Aufarbeitung der gewaltvollen Vergangenheit, zum anderen einen konstruktiven Dialog zwischen den gesellschaftlichen Gruppen anzuregen. Die nepalesischen Partnerorganisationen werden dabei unterstützt, Dialogstrukturen aufzubauen und Dialogformate zu etablieren. Benachteiligte Gruppen werden darin gestärkt, sich besser Gehör zu verschaffen. Ein besonderes Anliegen ist es, die Beteiligung von Frauen zu fördern. Die unterstützten Partner setzen sich dafür ein, dass Frauen eine aktive und gestaltende Rolle in den Dialogprozessen einnehmen. Dazu wird mit mehreren kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammengearbeitet, die auch in ländlichen, schwer zugänglichen Regionen aktiv sind. Des Weiteren wird die Arbeit der Partner zum „Transitional Justice“-Prozess gestärkt. Dauerhafter Frieden bedarf einer umfassenden und kritischen Aufarbeitung der Vergangenheit, denn im Scheitern der Aussöhnung liegt die Saat für künftige Gewalt.

Projektpartner

AMARC Asia-Pacific (World Association of Community Radio Broadcasters, Asien-Pazifik-Büro)
Sansthagat Bikas Sanjal (Sanjal)
United Mission to Nepal (UMN)

Projektstandorte

Kathmandu
Landesweit

Zielgruppen

Angehörige benachteiligter Bevölkerungsgruppen, insbesondere Frauen

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

0

Stand

3. Quartal 2020