Projekt

Dialog fördern – Konflikte bearbeiten

ZFD-Akteur

AGIAMONDO

Projektland

Südsudan

Projektlaufzeit

2016 bis 2020

Konfliktkontext: 2011 erklärte der Südsudan seine Unabhängigkeit vom Norden des Landes. Die Menschen schöpften Hoffnung auf Frieden. Schließlich lagen viele Jahrzehnte Bürgerkrieg hinter ihnen. Doch im Dezember 2013 brach auch im Südsudan, dem jüngsten Staat der Erde aus, ein Bürgerkrieg aus. Hintergrund war ein Machtkampf zwischen Präsident und Vizepräsident der regierenden SPLM, der einstigen Befreiungsarmee „Sudan People& 39;s Liberation Army“. Der Konflikt schwelte schon länger, war aber zuvor durch den gemeinsamen Kampf um Unabhängigkeit vom Sudan in den Hintergrund gerückt. Die Lage eskalierte und mündete in Kämpfen zwischen verschiedenen Gruppen der Armee, verbunden mit massiven Übergriffen auf die Zivilbevölkerung. Rund 400.000 Tote sind seit 2013 zu beklagen. Der Konflikt wurde ethnisch aufgeladen und wird heute wesentlich als Konflikt zwischen Dinka und Nuer wahrgenommen. Millionen von Menschen wurden vertrieben und flohen in andere Landesteile oder benachbarte Länder. Massenmorde, Verstümmelungen, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen wurden in systematischer Weise als Kriegsstrategie eingesetzt, um die Gegenseite zu schwächen und zu demoralisieren. Die Wirtschaft brach zusammen und große Teile der Zivilbevölkerung sind bis heute auf humanitäre Hilfe angewiesen. Laut UN leben nach wie vor 1,4 Millionen Menschen als intern Vertriebene im Südsudan, 2,2 Millionen als Geflüchtete im Ausland. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist von akutem Hunger bedroht. Die Versorgungslage ist katastrophal. Staatliche Institutionen sind schwach oder nicht vorhanden. Die Gräben zwischen Menschen, Gruppen und Ethnien sind aufgrund der anhaltenden Gewalt immer tiefer geworden. So bestimmen interethnische Konflikte und der Kampf um Macht und Ressourcen nach wie vor das Geschehen. Durch das vorherrschende Klima der Gewalt und die weite Verbreitung von Kleinwaffen enden diese schnell tödlich. Zwar konnte 2015 ein Friedensabkommen unterzeichnet werden, doch schon bald flammten die gewaltsamen Auseinandersetzungen wieder auf. 2018 wurde das Friedensabkommen erneuert. Doch dessen Umsetzung ließ lange auf sich warten, die vereinbarte Waffenruhe blieb brüchig. Anfang 2020 gelang es den Hauptkonfliktparteien eine Einheitsregierung zu bilden. Die Umsetzung der weiteren Bestimmungen des Abkommens, wie zum Beispiel die Einrichtung einer Übergangsjustiz sind große Herausforderungen. Noch kann der gesamte Prozess scheitern.

Projekt: Der Zivile Friedensdienst arbeitet gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen im Südsudan darauf hin, den Dialog zwischen verfeindeten (ethnischen) Gruppen auf Gemeindeebene zu fördern und gewaltfreie Wege aus bestehenden und aufkommenden Konflikten zu finden. Viele Konflikte drehen sich um Landrechte und -titel, unter anderem deshalb, weil das Land mit der Staatsgründung 2011 in Besitz des Staates überging. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs in 2013 sind die Konflikte zunehmend ethnisch aufgeladen. Es gibt viele Vorurteile und Schuldzuschreibungen gegenüber anderen Gruppen und Ethnien. Die katastrophale Versorgungslage und das vorherrschende Klima der Gewalt führen schnell zu einer Eskalation der Konflikte. Die Bereitschaft, sich auf andere einzulassen, ist durch die jahrelangen Gewalterfahrungen schwer beschädigt. Neben Dialogförderung und Konfliktbearbeitung werden die Partnerorganisationen daher auch im Bereich der psychosozialen Beratung und Versorgung unterstützt. Die Fachkräfte des ZFD schulen die Mitarbeitenden ihrer Partnerorganisationen, aber auch deren Zielgruppen wie etwa Pfarrgemeinderäte, in Methoden ziviler Konfliktbearbeitung und psychosozialer Arbeit. Sie unterstützen die Partner außerdem organisatorisch, logistisch und personell bei der Durchführung von Schlichtungsgesprächen, um in bestehenden und aufkommenden Konflikten zu vermitteln, bevor sie eskalieren. Parallel dazu wird das katholische Radionetzwerk mit Sitz in Juba dabei unterstützt, Themen und Inhalte friedensjournalistisch aufzubereiten. Das Netzwerk umfasst neun lokale Radiostationen aus verschiedenen Regionen des Landes. Insgesamt werden rund sieben Millionen Menschen erreicht. In Kooperation mit der Katholischen Universität des Südsudan wurde am Campus Juba außerdem ein Institut für Gerechtigkeit und Frieden aufgebaut, das der landesweiten Förderung und Vernetzung der Friedensarbeit dient. Ein weiterer Einsatzort ist das Friedensdorf in Kuron, das auf Initiative des früheren Bischofs Paride Taban im äußersten Südosten des Landes entstand. Kuron hat einen weit über die Region hinausweisenden Modellcharakter für eine nachhaltige, friedliche Entwicklung des Südsudan.

Projektpartner

Friedensdorf Kuron
Katholische Universität, Juba
Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Diözese Rumbek
Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Diözese Tombura-Yambio
Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Diözese Torit
Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Diözese Wau

Projektstandorte

Diözese Rumbek
Diözese Tombura-Yambio
Diözese Torit
Diözese Wau
Friedensdorf Kuron
Juba

Zielgruppen

Lokale Autoritäten, Pfarrgemeinderäte, Priester und Mitarbeitende in den Pfarreien, Lehrerinnen und Lehrer, Peace Clubs an Schulen, lokale Friedensgruppen, Vertreterinnen und Vertreter von Frauen- und Jugendgruppen, Medienschaffende

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

0

Stand

3. Quartal 2020