Projekt

Der Gewaltspirale entkommen: Konflikte um Ressourcen und zwischen Ethnien entschärfen

ZFD-Akteur

AGIAMONDO

Projektland

Kamerun

Projektlaufzeit

2019 bis 2022

Konfliktkontext: Im Vergleich zu seinen Nachbarländern galt Kamerun lange als relativ stabil. Doch seit 2013 wird der Norden von der Boko-Haram-Miliz heimgesucht. Im Westen kommt es seit Ende 2016 zu gewaltsamen Konflikten. Armut, Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeit und Landkonflikte sorgen schon länger für Unzufriedenheit. Vor dem Hintergrund der prekären Lebensbedingungen braucht es nicht viel, damit sich der Frust gewaltsam entlädt. Die Gesellschaft ist außerdem durch eine wachsende Zerklüftung gekennzeichnet. Es wird immer wichtiger, welcher Ethnie oder Religion ein Mensch angehört, aus welcher Region er kommt, welche Sprache sie spricht. Die Grenzen zwischen politischen Lagern werden zunehmend zu Grenzen zwischen ethnischen Gruppen. Auch der Konflikt zwischen den Generationen verschärft sich: Junge Menschen werden in der traditionell geprägten Gesellschaft kaum gehört. Dabei sind allein 43 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Für radikale Gruppen sind sie ein gefundenes Fressen. Die Instabilität der Nachbarländer stellt Kamerun vor zusätzliche Herausforderungen. Rund 350.000 Menschen aus Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik haben im Land Schutz gesucht. Hinzu kommen etwa 680.000 Binnengeflüchtete (UNHCR, Stand: 31.12.18). Es treten vermehrt Verteilungskonflikte zwischen ortsansässiger Bevölkerung und Geflüchteten zutage. Die Wiederwahl des seit 35 Jahren regierenden Präsidenten Paul Biyas Ende 2018 konnte die Stimmung nicht beruhigen, im Gegenteil – die Situation eskalierte weiter. Wer sich öffentlich gegen die desolaten Zustände positioniert, läuft Gefahr bedroht, drangsaliert oder verhaftet zu werden.

Projekt: Der ZFD setzt sich in Kamerun dafür ein, bestehende Konflikte, aber auch das Konfliktpotenzial zu entschärfen. Dies kann gelingen, wenn die Konfliktparteien miteinander ins Gespräch kommen und lernen, Konflikte gewaltfrei zu schlichten. Dazu wird auf drei Ebenen angesetzt: an Schulen, auf Gemeindeebene und bei Medienschaffenden. Die meisten Schulen in Kamerun folgen nicht-konfliktsensiblen, „rein akademischen“ Lehrplänen. Doch auch an den Schulen steigt das Konfliktpotential. Ziel des Projekts ist daher, immer mehr Lehrpläne um Friedenspädagogik und konstruktive Konfliktbearbeitung zu erweitern. Auf Gemeindeebene verschärfen sich die Konflikte um Land und Ressourcen. So kommt es immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen nomadisch lebenden Viehzüchterinnen und -züchtern und sesshaften Ackerbäuerinnen und -bauern. Durch Dialog und Mediation können hier für alle Beteiligten tragbare Lösungen gefunden werden. Staatliche Stellen werden eingebunden, um langfristige Abkommen zu erwirken. Auch darüber hinaus wird der Austausch zwischen Gewählten und Wählenden angeregt. Weite Teile der Bevölkerung sind weder über die Rechte und Pflichten der Amtspersonen, noch über ihre eigenen Rechte unterrichtet. Das führt dazu, dass Gesetze missachtet und Missachtungen nicht geahndet werden. Ein kritisch-konstruktiver Dialog kann hier Abhilfe schaffen. Die Arbeit mit Medienschaffenden soll dazu beitragen, die Menschen besser und vor allem konfliktsensibel zu informieren. Medien werden in Kamerun häufig zur Stimmungsmache missbraucht. Dem versuchen die Partner des ZFD friedensjournalistische Inhalte und Praktiken entgegenzusetzen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Radio, da es in entlegenen Regionen das wichtigste Kommunikationsmittel ist.

Projektpartner

Association Camerounaise pour le Dialogue lnterreligieux (ACADIR)
Kommissionen Justitia et Pax (CDJP) der (Erz-) Diözesen Bafia, Bafoussam, Bamenda, Batouri, Bertoua, Douala, Garoua, Maroua-Mokolo, Ngaoundéré und Yaoundé
Réseau des Organisations des Droits de l'Homme (RECODH)

Projektstandorte

Bafia
Bafoussam
Bamenda
Batouri
Bertoua
Douala
Garoua
Landesweit
Maroua-Mokolo
Ngaoundere
Yaoundé

Zielgruppen

Konfliktparteien in Gemeinden und Dörfern mit Landkonflikten, allgemeine Bevölkerung, Zivilgesellschaft, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern, Medienschaffende

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

5

Stand

4. Quartal 2020