Projekte

Alle für alle: Konflikte um Ressourcen konstruktiv verhandeln

ZFD-Akteur: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
Projektland: BeninBurkina FasoNigerSahel
Projektlaufzeit: 
2018 bis 2021

Konfliktkontext: Nach der Regenzeit beginnt in Westafrika die periodische Wanderschaft. Mobile Viehzüchter ziehen mit ihren Herden auf der Suche nach Wasser und Weideflächen aus der Sahelzone Richtung Küste (= Transhumanz, Wanderweidewirtschaft). Ihr Weg führt u.a. durch die Länder Niger, Burkina Faso und Benin. Hierbei kommt es häufig zu massiven, gewaltsamen Konflikten mit ansässigen Ackerbauern um den Zugang zu natürlichen Ressourcen; für die einen Weideland für ihre Herden, für die anderen fruchtbares Ackerland für ihren Anbau. Traditionell ergänzen sich die Produktionsweisen der mobilen Viehzucht und des Ackerbaus: Sind die Felder abgeerntet, können die Tiere der Viehzüchterinnen und Viehzüchter dort weiden. Die Erntereste sind wichtiges Futter für die Tiere, und ihr Kot düngt die Felder. Die mobile Viehzucht ist eine ökologisch sinnvolle Art und Weise im Sahel Viehzucht zu betreiben, eine Viehzucht, die darüber hinaus einen wichtigen Wirtschaftszweig in der Region darstellt. Dieses System stößt jedoch an seine Grenzen. Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung, übernutzte Böden und ausbleibende Regenfälle erhöhen den Druck auf die vorhandenen Ressourcen. Auch der Abbau von Gold und anderen Rohstoffen fordert immer mehr Land ein. Schlechte Regierungsführung und kommunales Missmanagement verschärfen die Lage vielerorts, anstatt konstruktiv auf sie einzuwirken. Darüber hinaus sind insbesondere Niger, Burkina Faso von der aktuellen politischen Instabilität und den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region betroffen. Diese Situation kann bereits bestehende Konflikte um den Zugang zu natürlichen Ressourcen verstärken.

Projekt: Fachkräfte des ZFD arbeiten in allen drei Ländern gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Partnern aus der Region auf friedliche Lösungen hin. Miteinander reden und sich konstruktiv zu streiten, ist die in der Praxis anspruchsvolle Devise. Sollen wirksame Vereinbarungen getroffen werden, müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten. Genau das gelingt mit diesem Projekt: Die Konfliktparteien treffen sich auf kommunaler, regionaler sowie nationaler Ebene, um eine gerechtere Nutzung der natürlichen Ressourcen unter Berücksichtigung aller Landnutzerinnen und Landnutzer zu vereinbaren. Daran beteiligt sind die jeweiligen Behörden sowie die zivilgesellschaftlichen Vertreterinnen und Vertreter der ländlichen Produzenten und gegebenenfalls weitere Konfliktparteien. Durch einen regelmäßigen konstruktiven Dialog werden Vereinbarungen gefunden, die alle akzeptieren: verbindliche Pläne für eine gerechtere Landnutzung und Regeln für den besseren Zugang zu natürlichen Ressourcen in den Ländern der Projektregion. Eine besondere Herausforderung hierbei ist die grenzüberschreitende Kooperation der Akteure.
Wo der ZFD mit seinen Partnern aktiv ist, ist die Bereitschaft, die Konflikte friedlich zu bearbeiten, deutlich gestiegen. Es konnten verbindliche Regelungen gefunden werden, die auch gesetzlich verankert sind. Um die Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung weiter voranzubringen, wurden darüber hinaus Weiterbildungsmodule, Ratgeber, Poster, Kassetten und Radiobeiträge entwickelt. Mit Erfolg: Dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit wurden in allen drei Ländern Reformen auf nationaler Gesetzesebene angestoßen.

Projektpartner: 
Andal & Pinal
Code Rural
Demi-E
FNEN Daddo
GERED
Potal Men
RECOPA
Projektstandorte: 
Norden Benins
Osten Burkina Fasos
Westen Nigers
Zielgruppen: 
Mobile und sesshafte Landnutzergruppen, zivilgesellschaftliche Organisationen, traditionelle Autoritäten, staatliche Strukturen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene (Kommunen, Departements, Präfekturen, Regionen, Ministerien) sowie staatliche Behörden wie Polizei, Forst- und Grenzbehörden und Justiz. Benachteiligten Gruppen, etwa jungen Viehzüchtern, wird besondere Beachtung geschenkt.
ZFD-Fachkräfte (im Einsatz): 
5
Stand: 
3. Quartal 2019
Weitere Informationen: 

Film „Mobile Livestock Keeping in Niger“: https://www.youtube.com/watch?v=LSzKavitef4