Projekt

Alle für alle: Konflikte um Ressourcen konstruktiv verhandeln

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Benin
Burkina Faso
Niger
Sahel

Projektlaufzeit

2022 bis 2024

Konfliktkontext: Der Sahel und Westafrika sind zunehmend von Unsicherheit und Konflikten geprägt. Extremistische Gruppen nutzen die Schwäche der Nationalstaaten, um sich auszubreiten, und gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In der Region lebt die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung von Viehzucht und Ackerbau. Die extremistischen Gruppen nutzen religiöse Vorwände, um jahrhundertalte Konflikte zu instrumentalisieren, die in erster Linie die Nutzung und Verwaltung von Land, Wasser, Vieh und Wildressourcen betreffen.

Über nationale Grenzen hinweg hat es zuletzt wichtige Fortschritte im Umgang mit natürlichen Ressourcen gegeben. Möglich war das, weil administrative und traditionelle Autoritäten sowie ländliche Produzentinnen und Produzenten gemeinsam gehandelt haben. Trotzdem steht die gewaltfreie Konfliktbearbeitung in der Region vor gewaltigen Herausforderungen: Der globale Klimawandel, das rasante Bevölkerungswachstum, wenig nachhaltige Landnutzungspraktiken und kommunales Missmanagement gefährden den Frieden in der Region weiterhin stark.

Die angespannte Sicherheitslage und der Fokus staatlicher Akteure auf das Thema Sicherheit erschweren die grenzüberschreitende Weidewirtschaft zusätzlich und wirken sich negativ auf die Wirtschaft der Region und die Lebensgrundlage vieler Menschen aus. So hat Benin seit Dezember 2019 seine Grenzen für mobile Viehzucht aus anderen Ländern geschlossen.

Konflikte um den Zugang zu natürlichen Ressourcen sind weiter vorherrschend in der Region, vermischen sich aber zunehmend mit anderen Konflikten. Treibende Faktoren sind hier die zunehmende Bandenkriminalität sowie die Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig gewinnen religiöse Sekten und private Milizen an Einfluss und gefährden traditionelle, friedliche Lebens- und Glaubensformen. Insbesondere Jugendliche laufen aufgrund von Perspektivlosigkeit und gravierender Ungleichheit Gefahr, von nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen rekrutiert zu werden. Darüber hinaus ist insbesondere Niger von der aktuellen politischen Instabilität in Mali und Burkina Faso und den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region betroffen. Allein in der Region Tillabéri ist der Anteil von Vertriebenen zwischen Mai 2020 und Mai 2021 um 47 Prozent auf 126.000 Menschen gestiegen. In den Aufnahmegemeinden kommt es aufgrund von knappen Ressourcen und einer überlasteten Infrastruktur zu Konflikten zwischen Geflüchteten und Einheimischen.

Projekt: In diesem Projekt treffen sich die Konfliktparteien auf kommunaler, regionaler sowie nationaler Ebene, um eine gerechtere und nachhaltigere Nutzung der natürlichen Ressourcen unter Berücksichtigung der Interessen aller Landnutzerinnen und -nutzern zu vereinbaren. Beteiligt sind die jeweiligen Behörden, die zivilgesellschaftlichen Vertreterinnen und Vertreter der ländlichen Produzentinnen und Produzenten und weitere Konfliktparteien.

Wo der ZFD mit seinen Partnern aktiv ist, sind Bereitschaft und Fähigkeit, die Konflikte friedlich zu bearbeiten, bereits deutlich gestiegen. Es konnten verbindliche Regelungen für eine gerechtere Landnutzung und Regeln für den Zugang zu natürlichen Ressourcen gefunden werden, die auch gesetzlich verankert sind. Ackerbäuerinnen und -bauern sowie Viehhalterinnen und -halter einigen sich bereits vor den Wanderungen auf Durchzugswege und -zeiten. Sofern Anbauflächen beschädigt werden, greifen Regelungen für die Entschädigung. Der Polizei zufolge gibt es seitdem weniger Konflikte.

Um die Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung weiter voranzubringen, werden Weiterbildungen, Ratgeber, Bildboxen, Videos und Radiobeiträge entwickelt. Dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit wurden in allen drei Ländern Reformen auf nationaler Gesetzesebene angestoßen. Darüber hinaus wird in den Kommunen das lokale Landrecht von administrativen und traditionellen Autoritäten immer besser umgesetzt.

Ab 2022 werden diese Maßnahmen zu Dialogförderung und Stärkung von Friedenskapazitäten hinsichtlich einer noch inklusiveren und nachhaltigeren Nutzung und Verwaltung von natürlichen Ressourcen (Aufnahmen von Partnerschaften mit landwirtschaftlichen Organisationen, engere Zusammenarbeit mit Park-Behörden) weiterentwickelt.

Darüber hinaus baut das Projekt Brücken zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Das Team fördert im Niger mit der örtlichen „Hohen Behörde zur Verfestigung des Friedens an der Förderung“ (HACP) unter anderem den Dialog zwischen ländlichen Produzentinnen und Produzenten und Sicherheitskräften.

In Benin will das Programm vermehrt mit dem „Hohen Sekretariat zur Sesshaftwerdung der Viehzucht“ zusammenarbeiten, um die von der Regierung angestrebte Eingrenzung der Mobilität von Vieh und Viehzüchtenden im Lande auf friedlicher, inklusiver und nachhaltiger Weise zu begleiten. Durch Mentorenausbildung und Forum-Theater sollen junge Frauen und Männer außerdem gestärkt werden, ihre Bedarfe und Interessen besser ausdrücken und vertreten zu können. In Niger soll der Dialog zwischen muslimischen und christlichen Gemeinden und zwischen unterschiedlichen Richtungen des muslimischen Glaubens gefördert werden. Ziel ist es, den sozialen Zusammenhalt zu fördern.

 

Projektpartner

Cercle Dev
Demi-E
FNEN Daddo
GERED
Germe ONG
HACP
Potal Men

Projektstandorte

Benin
Niger
Sahel
Westafrika

Zielgruppen

Mobile und sesshafte Landnutzergruppen, zivilgesellschaftliche Organisationen, traditionelle Autoritäten, staatliche Strukturen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene (Kommunen, Departements, Präfekturen, Regionen, Ministerien) sowie staatliche Behörden wie Polizei, Forst- und Grenzbehörden und Justiz. Benachteiligten Gruppen, etwa jungen Viehzüchterinnen und -züchtern, wird besondere Beachtung geschenkt.

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

3

Stand

1. Quartal 2022