Projekt

Afghanische Jugend für den Frieden und die Integration von jugendlichen Binnengeflüchteten

ZFD-Akteur

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Projektland

Afghanistan

Projektlaufzeit

2020 bis 2021

Konfliktkontext: Seit Beginn der sowjetischen Invasion 1987 herrschen in Afghanistan Konflikte und Gewalt. Nach den Sowjets kamen Bürgerkrieg, Milizen, organisierte Kriminalität und die Taliban, die von 1996 bis 2001 an der Macht waren. Eine militärische Offensive der NATO unter dem Kommando der USA bereitete ihrer Herrschaft ein Ende. Der (militärische) Konflikt dauert allerdings bis heute an. Im Laufe der Jahrzehnte sind Millionen Afghaninnen und Afghanen aus ihren Heimatorten geflohen oder vertrieben worden. Heute leben noch immer rund vier Millionen als Geflüchtete in anderen Ländern und über zwei Millionen als Binnengeflüchtete im eigenen Land. Zugleich sind seit 2002 mehrere Millionen Afghaninnen und Afghanen in ihre Heimat zurückgekehrt. Diesen Rückkehrenden und Binnengeflüchteten mangelt es an Zugang zu Land und Wohnraum, Arbeit und grundlegenden Dienstleistungen. Dort, wo sie sich ansiedeln oder von der Regierung angesiedelt werden, kommt es häufig zu Konflikten mit den umliegenden Gemeinschaften. Aufgrund der anhaltend prekären Sicherheitslage und der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung ist ihre Reintegration besonders herausfordernd. Kinder und Jugendliche, die mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, leiden besonders unter der mangelnden Sicherheit, dem verbreiteten Analphabetismus und der hohen Arbeitslosigkeit. Ihre Perspektivlosigkeit ist fruchtbarer Boden für organisierte Gewalt, Kriminalität und Extremismus. Verstärkt wird dieses Problem durch historisch geprägte Befindlichkeiten zwischen den ethnischen und religiösen Gruppen des Landes. Im September 2020 begannen Friedensgespräche zwischen afghanischer Regierung und den radikalislamischen Taliban. Damit verbunden ist die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden. Doch die Skepsis ist mindestens ebenso groß. Das gegenseitige Misstrauen sitzt tief. Wegen anhaltender Gewalt – auch durch die Taliban – wurden die Verhandlungen für mehrere Wochen unterbrochen und erst Anfang 2021 wiederaufgenommen. Ihr Ausgang ist ungewiss, genauso ungewiss, wie sich das Land nach dem Abzug ausländischer Truppen entwickeln wird. Eine Vereinbarung zwischen US-Regierung und Taliban über den Abzug sämtlicher US-Truppen bis April 2021 war den innerafghanischen Friedensgesprächen vorausgegangen. Die neue US-Regierung unter Jo Biden verkündete, zunächst zu prüfen, inwieweit die Taliban ihre Zusagen einhalten, bevor der Truppenabzug vollzogen wird. Auch dadurch ist der Fortgang des Friedensprozesses ungewiss.

Projekt: Die afghanische Jugend, so gering ihr Einfluss in der Gesellschaft auch scheinen mag, hält den Schlüssel zu Krieg oder Frieden in der Hand. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre alt. Viele afghanischen Jugendliche und junge Erwachsene wollen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld zu einem friedlichen Wandel beitragen. Das zeigt eine 2019 durchgeführte Befragung des ZFD. Zugleich ist aber auch Frustration über tatsächliche und wahrgenommene Ungerechtigkeit, Straflosigkeit, Korruption und Perspektivlosigkeit verbreitet. Dies gilt in besonderem Maße für junge Binnengeflüchtete. In dieser Situation ist es wichtig, das Selbstbewusstsein junger Menschen zu stärken und ihnen Ressourcen zu vermitteln, mit denen sie ihre eigenen Probleme und die ihrer Gemeinschaften besser meistern können. Genau hier setzen die Maßnahmen des ZFD und seiner Partnerorganisationen an: Junge Männer und Frauen aller sozialen Schichten, aus verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen sowie aus diversen Regionen des Landes werden durch Weiterbildungen in jenen Fähigkeiten gestärkt, die für den Aufbau gewaltfreier Beziehungen und konstruktiver Konfliktbearbeitung grundlegend sind: aktiv zuhören, Vertrauen bilden, eigene Emotionen wie Wut und Angst verstehen und neue Verhaltensformen erlernen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden darin gestärkt, Eigenverantwortung und Eigeninitiative zu zeigen. Sie sollen Probleme in ihrem eigenen Leben und ihrem sozialen Umfeld selbstständig und gewaltfrei lösen lernen. Die Maßnahmen tragen außerdem dazu bei, neue Vorstellungen von Geschlechterrollen zu entwickeln. Ein Beispiel ist das gemeinsam entwickelte Training in „Life und Leadership Skills“ (Gewaltfreie Kommunikation, Kooperation, Umgang mit Emotionen, Stressbewältigung, Empathie, Konfliktvermittlung), an dem bereits mehr als 1.000 Jugendliche teilgenommen haben. Im Zuge der Corona-Pandemie wird das Training auch als Online-Lernprogramm umgesetzt. Das derzeitige ZFD-Engagement baut auf zwei vorherigen ZFD-Projekten auf. Es soll dazu beitragen, die bereits erreichten Ergebnisse zu festigen und auszubauen. Jugendliche und junge Erwachsene, die in den vergangenen Jahren durch den ZFD und seine Partner ausgebildet wurden, darunter auch zahlreiche Binnengeflüchtete, sollen in der laufenden Projektphase als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewonnen und trainiert werden, sodass sie selbst Trainings für andere Jugendliche anbieten und ihre Kenntnisse proaktiv in ihre Gemeinschaften einbringen. Ein wichtiges Ziel dabei ist, die Integration von jugendlichen Binnengeflüchteten in ihre Aufnahmegemeinden zu fördern. Auch die landesweite Vernetzung junger Menschen durch soziale Medien wird vom ZFD gefördert. Zur Durchführung dieser Aktivitäten unterhält der ZFD zwei Büros, eins in Kabul und eins in Masar-e-Sharif. Von diesen Büros aus beraten und unterstützen Teams nationaler ZFD-Fachkräfte zivilgesellschaftliche Organisationen und Jugendgruppen.

Projektpartner

Afghan Children – a New Approach (ASCHIANA)
Afghan National Association for Adult Education
Badakhshan Civil Society Network Association
National Center for Policy Research (NCPR)
The Liaison Office (TLO)

Projektstandorte

Badachshan
Balch
Bamian
Kabul
Masar-e Scharif
Nangarhar
Samangan
Tachar

Zielgruppen

Hauptzielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 10 bis 30 Jahren beiderlei Geschlechts sowie verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen, darunter auch jugendliche Binnengeflüchtete

ZFD-Fachkräfte (im Einsatz)

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Weitere Informationen

Dieses Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Stand

4. Quartal 2020