„Wie die Hefe, die den Teil gehen lässt?“ - Gemeindemediation in Nepal

„In Nepal werden Gemeindemediatoren häufig aus verschiedenen sozialen Gruppen der dörflichen Gemeinschaft rekrutiert. Weil mehrere Mediatoren an einem Fall zusammen arbeiten, können sie die sozialen Grenzlinien innerhalb der Gemeinschaft – wie Gender, Kaste, ethnische Zugehörigkeit oder Religion – reflektieren und überwinden,“ so schreiben die AutorInnen Jeannine Suurmond, ZFD-Fachkraft, und Prakash Mani Sharma, Direktor der nepalischen GIZ-ZFD-Partnerorganisation Pro Public, Forum fort he Protection of Public Interest. Sie untersuchen in ihrem Artikel (erschienen im Journal for Peace & Development, März 2013), inwieweit Community Mediation zu Konzept und der Realität von Infrastructure for Peace gehört.

Pro Public hat selbst ein Programm zur Schaffung von Community Mediation und Fortbildung von Mediatoren durchgeführt. Gemeindemediation ist in einem 2011 verabschiedeten, aber noch nicht implementierten nationalen Mediationsgesetz vorgesehen. Kein Zweifel, ein über lange Zeit von bewaffneten Konflikten und unklaren Regierungsverhältnissen geschütteltes Land braucht Konfliktbeilegungsmechanismen auf der lokalen Ebene – Landkonflikte sowie Nachbarschafts- und Familienkonflikte, deren Lösung von den offiziellen juristischen Institutionen nicht geleistet werden kann. „In den vergangenen 16 Jahren entwickelte sich die Gemeindemediation weiter, die auf Nepals alten Traditionen der Konfliktlösung durch Dialog basiert, und expandierte. Heute gibt es verschiedene Gemeindemediationsprogramme in ungefähr 50 von 75 Distrikten. Das Ziel der Gemeindemediation ist es, denjenigen Zugang zu Rechtsprechung zu geben, die vom formalen System ausgeschlossen sind. Die Programme versuchen Menschenrechtsnormen zu verankern und investieren in die Aus- und Fortbildung von Mediatoren. In der Regel etablieren lokale NGOs Mediationszentren auf der Dorf- und Distriktebene, die finanziell und technisch von diversen internationalen Gebern unterstützt werden.“

Informelle Justiz hat ihre heiklen Seiten, ganz zu schweigen von der Problematik der unterschiedlichen Auffassungen internationalen Geber. Alle Mediationszentren, die von Pro Public aufgebaut und von der Asia Foundation finanziell unterstützt wurden, werden mittlerweile selbständig von den lokalen Entwicklungskommitees verwaltet, auch wenn in einigen Fällen noch Unterstützung durch Trainings und Practice-Sharing Meetings geboten wird. Hier wird laut dem Autorinnen-Team der Zusammenhang von Frieden und Entwicklung konkret greifbar: „Im Empowerment von Frauen und marginalisierten Gruppen, da sie respektierte Mediatoren im Dorf werden, im wachsenden Vertrauen der Dorfbewohner darin, dass sie ihre Konflikte selbst lösen können, und in der stärker horizontal ausgerichteten Entwicklung statt vertikaler Machtbeziehungen im Dorf.“

Jeannine Suurmond & Prakash Mani Sharma (2012): Like Yeast That Leavens the Dough? Community Mediation as Local Infrastructure for Peace in Nepal, Journal of Peacebuilding & Development, 7:3, 81-86
Für Forschung, Lehre und private Studien der Artikel zum Download (siehe Kasten unten)

Jean Paul Lederach und Preeti Thapa haben in 10 Distrikten die Funktionsweise und Wirkungen der Community Mediaten aus dem Asia Foundation Programm untersucht. Hier ihre Studie: „Staying true in Nepal. Understanding Community Mediation through Action Research” vom Januar 2012.