Weltfriedenstag: Wie kommt Frieden in Fahrt

Heute ist Weltfriedenstag. Zu diesem Anlass zeigt der ZFD am Beispiel Kolumbien, welche Erfolge Gewaltprävention und zivilgesellschaftliche Arbeit in Friedensprozessen erzielen – und was mit mehr Mitteln noch erreicht werden könnte.

Kolumbien wird seit über fünfzig Jahren von bewaffneten Konflikten erschüttert. Ein Friedensabkommen zwischen Regierung und FARC kam 2016 zustande, doch Frieden herrscht noch lange nicht. Not und Ungerechtigkeit lasten auf den Menschen. Gewalt bleibt eine reale Bedrohung. Den Chocó im Nordosten Kolumbiens hat der bewaffnete Konflikt besonders hart getroffen. Noch heute ist das Gewaltpotenzial hoch. Im Streit um Land prallen indigene, afrokolumbianische und Mestizen-Gemeinden aufeinander. Die Partnerorganisationen des ZFD vermitteln, um Gewalt vorzubeugen.

Im Chocó gelingt es durch die Wiederbelebung einer interethnischen Kommission, Gewalt einzudämmen und Konflikte friedlich zu regeln. „Vor Ort können wir den Umgang mit Konflikten beeinflussen“, berichtet ZFD-Fachkraft Michaela Pfister. „In der Kommission beleben wir altbewährte Praktiken des Zusammenlebens wieder und bereichern sie mit Ideen der zivilen Konfliktbearbeitung.“ Die Arbeit geht jedoch weit über den lokalen Raum hinaus und wirkt auch auf der nationalen Bühne der Politik. So führte die interethnische Zusammenarbeit im Chocó dazu, dass die Anliegen der ethnischen Minderheiten als „Capítulo Étnico“ in das Friedensabkommen von 2016 eingingen.

„Die Erfolge der interethnischen Kommission und das Capítulo Étnico zeigen die ungeheure Zugkraft der Zivilgesellschaft in Friedensprozessen. Wenn wir vor Ort Gewalt vorbeugen, kann die Bevölkerung diese Kraft erst richtig entfalten“, sagt Martin Vehrenberg, Sprecher des Konsortiums ZFD. „Den Weltfriedenstag nehmen wir als Anlass, dies zu zeigen.“

Die Erfolge der Kommission, bei der alle drei ethnischen Gruppen mitmachen, sind ein erster Schritt. Mit mehr Mitteln könnte noch viel mehr erreicht werden. „Ein Friedensabkommen bedeutet noch nicht, dass Frieden herrscht. Die Situation ist nach wie vor fragil“, sagt Pfister. „Mit mehr Mitteln könnten wir unsere Arbeit auf zusätzliche Regionen ausweiten, denn es ist wichtig, dass der Frieden an der Basis ankommt. Ohne die Zivilgesellschaft wird in Kolumbien kein Frieden möglich sein. Je stärker wir sie unterstützen, desto besser und nachhaltiger kommt der Friedensprozess voran.“

Mehr über diese Arbeit erfahren? „Kolumbien: Rückenwind für Frieden“ ist Teil des ZFD-Online-Dossiers „Gewalt vorbeugen – das geht“. Dort finden Sie weitere Details zum Engagement des ZFD im Chocó und die Errungenschaften der Zivilgesellschaft im Friedensprozess sowie einen Überblick über den Konflikt in Kolumbien – sowohl aus historischer als auch aktueller Perspektive. ZFD-Fachkraft Michaela Pfister und ihr kolumbianischer Counterpart Padre Albeiro erläutern die Arbeit der interethnischen Kommission und zeigen, welches Potenzial in ziviler Friedensarbeit steckt. Eine Reportage über Sandra Tapias geht der Frage nach, wie ein Weiterleben und ein Neuanfang trotz der erfahrenen Gewalt gelingen kann. Am Beispiel der „Alianza Urbana“ wird schließlich deutlich, dass erfolgreiche Friedensarbeit viele Facetten hat. Manchmal ist sie sogar tanzbar.