Timor-Leste: ZFD sucht den Kontakt zur Straße

9.8.2018

Der Zivile Friedensdienst ist seit 15 Jahren in Timor-Leste aktiv. Bislang lagen die Schwerpunkte auf den Bereichen Friedenspädagogik und Friedensjournalismus. Nun wird das Engagement inhaltlich erweitert und auf weitere Regionen ausgedehnt. In Zukunft sollen gezielt auch jene Jugendliche angesprochen werden, die hauptsächlich auf der Straße leben.

Timor-Leste: Land mit Potenzial – und ebenso großem "Aber"

Timor-Leste ist doppelt jung: Erst 2002 erlangte das Land seine Unabhängigkeit. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 25 Jahre alt. In dieser jungen Generation liegt ein großes Potential für eine positive Entwicklung des Landes. „Um dieses Potenzial zu nutzen, muss jedoch in den Bereichen Bildung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Kompetenzentwicklung und Finanzen viel erreicht werden“, heißt es im Human Development Report von 2018.

Trotz vorhandener Öl- und Gasvorkommen gehört Timor-Leste zu den am wenigsten entwickelten Ländern. Etwa die Hälfte der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze. Viele junge Menschen kehren der Armut auf dem Land den Rücken und ziehen auf der Suche nach Arbeit in die Hauptstadt Díli. Doch nur für wenige erfüllt sich die Hoffnung, die sie damit verbinden. Die Arbeitslosigkeit ist besonders unter jungen Menschen hoch.

Der Zivile Friedensdienst setzt in Timor-Leste auf diese junge Generation. Erklärtes Ziel ist es, die Kultur der Gewalt zu durchbrechen, die im Laufe der langen Kolonial- und Besatzungszeit entstanden ist, und die sich auch in Erziehung und Bildung widerspiegelt. Jugendliche sollen alternative Wege der Konfliktaustragung kennenlernen, damit sie den vielfältigen Spannungen in der Gesellschaft jetzt und auch in Zukunft konstruktiv begegnen können. Zugleich wird die Aufarbeitung der Vergangenheit angegangen, die bis heute wie ein Schatten auf dem Land liegt.

Viel hat sich getan, noch mehr gilt es zu erreichen

Viel hat sich durch die mittlerweile fünfzehnjährige Arbeit des ZFD getan. Immer mehr Schulen erkennen den Nutzen von Friedenserziehung und nehmen sie in ihre Curricula auf. Mehrere Hochschulen, wie das katholische Instituto de Ciências Religiosas (ICR), haben den Studienplan angehender Lehrkräfte überarbeitet: Die Bereiche Pädagogik und Didaktik wurden ausgebaut, und Seminare in Friedenspädagogik und gewaltfreier Konfliktbearbeitung ergänzt.

Im Bereich Friedensjournalismus werden Radioprogramme und Filme koproduziert, die nicht nur eine große Reichweite, sondern auch große Zustimmung erzielen. Das wöchentliche Radiomagazin „TekiToke!“ (Mädchen! Jungs!) bringt auf den Punkt, was Jugendliche bewegt. Hier wird ausgewogen informiert, lebhaft diskutiert und ganz nebenbei ein Beitrag zur friedlichen Entwicklung des Landes geleistet.

Um auch jene Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen, die bislang vom Engagement des ZFD in der schulischen und außerschulischen Bildung zu wenig profitiert haben, geht der ZFD jetzt auf die Straße: Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter werden das Gespräch mit ihnen suchen, um gemeinsam Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Dabei geht es zunächst einmal darum, Vertrauen und eine verlässliche Beziehung herzustellen. Nur dann kann durch Straßensozialarbeit (Streetwork) überhaupt etwas erreicht werden. Mit den Partnern vor Ort werden bestehende Konzepte sozialer Arbeit auf die Lebenswelt der timoresischen Jugendlichen zugeschnitten, und Streetworkerinnen und Streetworker dementsprechend geschult. Der ZFD wird zukünftig über die Hauptstadt Díli hinaus in allen drei timoresischen Diözesen (Dili, Baucau & Maliana) aktiv werden.


Ein Interview mit dem neuen ZFD-Koordinator in Timor-Leste, dem Ethnologen Florian Schöpperle, finden Sie bei der AGEH, die den ZFD in Timor-Leste umsetzt.

Ausführliche Informationen zum Land finden Sie im Länder-Informations-Portal der GIZ.

Foto: Dan McGarry