Südsudan: Der Gewalt die Stirn bieten

30.10.2018

Vor kurzem fand in Wau, der zweitgrößten Stadt im Südsudan, ein Workshop zu geschlechtsspezifischer Gewalt statt. Veranstalter war die „Justice and Peace Commission“ des Bistums Wau unter Mitwirkung von ZFD-Fachkraft Henrike Huber. Der Workshop ist Teil einer Veranstaltungsreihe zum Umgang mit der massiven Gewalt im Land.

Nach der Unabhängigkeit vom Norden 2011 schöpften viele Menschen im Südsudan Hoffnung auf Frieden. Hinter ihnen lagen mehr als 40 Jahre Bürgerkrieg. Doch ab Ende 2013 mündete der schon länger schwelende Konflikt zwischen Präsident und Vizepräsident in einen erneuten Bürgerkrieg. Mehrere Friedensabkommen scheiterten. Immer wieder eskaliert die Gewalt, so auch nach der im September 2018 geschlossenen Vereinbarung.

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist seit Beginn des Bürgerkriegs auf der Flucht. 400.000 Menschen starben. Fünf Millionen Menschen sind akut von Hunger bedroht. Wie kann ein Ausweg aus dieser Endlosschleife der Gewalt gefunden werden? Wie kann eine Bevölkerung, die seit Jahrzehnten nichts als Krieg kennt, für Gewaltfreiheit gewonnen werden? Wie können Gewaltopfer ihren Schmerz verarbeiten?

Diesen Herausforderungen stellt sich die Justice and Peace Commission (JPC) des Bistums Wau (Kommission für Gerechtigkeit und Frieden), die seit 2017 von Henrike Huber im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes unterstützt wird. Die Workshopreihe zu Gewalt(prävention) ist ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit. Behandelt werden alle Formen von Gewalt mitsamt ihren Ursachen und Folgen. Im Mittelpunkt steht immer die Frage, wie das Ausmaß der Gewalt in der von Gewalt geprägten Gesellschaft vermindert werden kann.

Beim nun durchgeführten Workshop stand die sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt im Vordergrund. Nach Angaben von UNICEF haben mindestens 65 Prozent aller südsudanesischen Mädchen und Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt erlitten. Schätzungsweise 51 Prozent wurden Opfer häuslicher Gewalt. Ein wesentliches Ziel des Workshops: Frauen in ihrem Selbstbewusstsein und als Friedensakteurinnen zu stärken, damit sie sich gegen Gewalt und Missbrauch wehren und selbst Teil eines gesellschaftlichen Wandlungsprozesses werden können. Die Teilnehmerinnen waren „wissbegierig, neugierig auf Handlungsmöglichkeiten und vor allem erleichtert, nicht mit diesen schweren Problemen alleine zu sein“, sagt Henrike Huber.

Auch wenn oder gerade weil die Lage im Südsudan so finster sind, ist das Engagement von zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen von essentieller Bedeutung. Für die Menschen vor Ort ist es ein Hoffnungsschimmer, der ihnen hilft weiterzumachen. Doch woher schöpfen die Menschen, die sich engagieren, eigentlich ihre Kraft? „Neben der Aggression, Gewalt, Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und dem Hunger, berührt mich die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen hier. Daraus und aus dem gemeinsamen Lachen sowie der geteilten Freude im Augenblick, schöpfe ich die Kraft, die Arbeit hier fortzusetzen“, sagt ZFD-Fachkraft Henrike Huber.

 

Die Zitate von Henrike Huber stammen aus dem aktuellen AGEH-Bericht „Gewalt gegen Frauen bewusst machen“ von Friederike Repnik und Ursula Radermacher.

Foto: Dauda Koroma / Oxfam East Africa via Wikimedia