Simbabwe: Zivilgesellschaft öffnet Türen

30.7.2019

Unser neues FACTSHEET zeigt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Centre for Conflict Management and Transformation (CCMT) in der simbabwischen Midlands-Provinz. CCMT ist eine von sieben Organisationen, mit denen der Zivile Friedensdienst in Simbabwe dem Frieden die Tür öffnet. Das Factsheet finden Sie wie gewohnt im DOSSIER 20 JAHRE ZFD. Hier in diesem Beitrag stellen wir Ihnen alle sieben lokalen Partner und damit die gesamte Bandbreite des Engagements vor.


Konfliktkontext: 15 Jahre Bürgerkrieg und drei Jahrzehnte unter Ex-Präsident Robert Mugabe haben das Simbabwe politisch, sozial und wirtschaftlich ruiniert. Mugabes zunehmend autokratische Herrschaft gründete sich auf Gewalt, Einschüchterung und Infiltrierung der Gesellschaft. Ab den 1990ern begann ein fortschreitender wirtschaftlicher Verfall. 2008 brachen Handel und öffentliche Dienstleistungen völlig zusammen. Die Oppositionspartei MDC konnte die Wahlen im selben Jahr mit einfacher Mehrheit für sich entscheiden. Mugabe blieb dennoch im Amt, beugte sich aber internationalem Druck und bildete eine Koalitionsregierung mit der MDC. Seitdem hatte das Ausmaß direkter Gewalt abgenommen, die strukturellen Gewaltursachen bestehen jedoch bis heute fort. Ende 2017 führte ein Militärputsch zum Rücktritt Mugabes. Doch Reformen lassen auf sich warten. Die Wirtschaft steht vor dem Kollaps. Der Großteil der Bevölkerung leidet weiterhin unter Armut und mangelhafter Grundversorgung. Politische Teilhabe, Presse- und Meinungsfreiheit sind nur bedingt gegeben. Aufgrund der desolaten Lebensumstände kommt es regelmäßig zu Streiks, Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die gesellschaftlichen und politischen Gräben werden immer größer. Seit dem Putsch wandelt sich das Land zudem zunehmend zu einem Militärstaat. Das Regime zeigt verstärkt autoritäre und repressive Züge. Einschüchterungen und Verhaftungen von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft nehmen zu. Akteure aus dem Militär besetzen führende Positionen in der Exekutive, unter anderem Schlüsselpositionen in Ministerien. Die Korruption erreicht Ausmaße offenkundiger Plünderung. Konflikte um Ressourcen (vor allem Mineralien, Land, Wasser) verschärfen sich. Insbesondere der hohe Anteil frustrierter Jugendlicher macht die Lage explosiv. Aufgrund ihrer Perspektivlosigkeit sind sie besonders anfällig für Gewalt und Radikalisierung.


Alle sieben simbabwischen Partnerorganisationen des Zivilen Friedensdienstes setzen sich dafür ein, die Kultur der Gewalt durch gewaltfreie Konfliktbearbeitung auf Gemeindeebene zu überwinden. Werden bestehende und aufkommende Konflikte konstruktiv bearbeitet, kann eine gewaltsame Eskalation verhindert und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.

Um dies zu erreichen, werden

  • moderierte Diskussionsforen angestoßen und begleitet, bei denen alle betroffenen Parteien gleichberechtigt einbezogen werden,
  • bereits bestehende Friedenskomitees unterstützt, sodass sie aktiver an der Konfliktbearbeitung in ihrer Gemeinde mitwirken können,
  • Bürgerinnen und Bürger dahingehend gestärkt, ihre Probleme und Bedürfnisse bei den zuständigen Provinzräten auf konstruktive Weise einzubringen,
  • die Provinzräte wiederum darin erinnert, die Bedürfnisse der Bevölkerung bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen.
  • Frauen gestärkt, für sozio-ökonomische Gerechtigkeit und demokratische Regierungsführung einzutreten,
  • Jugendliche und junge Erwachsene dazu befähigt, ihre Anliegen friedlich und konstruktiv vorzubringen,
  • Arbeitsgruppen auf höherer Ebene einberufen, wenn Konfliktursachen auf größere Probleme in der Regierungsführung hinweisen.

Ein weiterer Schwerpunkt wird mit dem Zimbabwe Human Rights NGO Forum (ZHRF) verfolgt. ZHRF stärkt und begleitet Gewaltopfer in allen zehn Provinzen des Landes, um ihre Beteiligung bei der Aufarbeitung der gewaltvollen Vergangenheit zu gewährleisten.


Fünf ZFD-Fachkräfte des ZFD-Trägers Weltfriedendienst unterstützen vor Ort die folgenden sieben simbabwischen Partnerorganisationen:

  • Centre for Conflict Management and Transformation (CCMT): Das CCMT hat Dank langjähriger Erfahrung in Konfliktbearbeitung und Verhandlungsführung einen guten Ruf in Simbabwes Midlands-Provinz. Bei Streitfragen in den Gemeinden bringt der ZFD-Partner die Konfliktparteien an einen Tisch und moderiert Verhandlungsprozesse. Gemeinsam mit Distrikt- und Provinzverwaltung werden Alternativen für umstrittene Entwicklungspläne und Richtlinien erarbeitet. So erreicht das CCMT Schritt für Schritt einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und trägt zu einer demokratischeren Regierungsführung bei.
  • Chikukwa Ecological Land Use Community Trust (CELUCT): CELUCT stärkt Menschen und Gemeinden der Chimanimani Region. Die Organisation hat dabei vor allem die Jugend im Blick: CELUCT möchte sie an die gemeinsame Verantwortung für Land und Umwelt heranführen. Auch in der Friedensarbeit in den Gemeinden spiegelt sich der Gedanke wieder, voneinander zu lernen und gemeinsam den Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen.
  • Community Tolerance, Reconciliation and Development Trust (COTRAD): COTRAD ist eine jugend-orientierte Organisation, die den Zusammenhalt und die Toleranz unter Jugendlichen sowie ihre Beteiligung an der Gemeindeentwicklung fördert. Die Schwerpunkte der Arbeit sind Konfliktbearbeitung, Good Governance, soziale Verantwortung und Existenzsicherung. Neben der direkten Jugendarbeit betreibt COTRAD auch Lobbyarbeit und Advocacy, um das Potential der Jugend zu verdeutlichen.
  • Musasa: Musasa unterstützt weibliche Opfer von häuslicher und politisch motivierter Gewalt durch psychosoziale, medizinische und juristische Betreuung und Schutzhäuser. Auf nationaler Ebene betreibt Musasa Öffentlichkeitsarbeit zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen. Darüber hinaus arbeitet Musasa in einigen Gemeinden des Landes zu Konfliktbearbeitung und Friedensbildung.
  • Women of Zimbabwe Arise (WoZA): WoZA ist eine soziale Bewegung mit Sitz in Bulawayo. WoZA möchte simbabwische Bürger, vor allem Frauen, mobilisieren, sich in gewaltfreien Kampagnen zu engagieren, die sozio-ökonomische Gerechtigkeit und demokratische Regierungsführung einfordern. Die gewaltfreien Aktionen, die auf den Erfahrungen der Frauen aufbauen, sollen dazu beitragen, Behörden zur Rechenschaft zu ziehen. WoZA arbeitet hauptsächlich auf Gemeindeebene, organisiert in einigen Fällen jedoch auch Proteste auf nationaler Ebene.
  • Zimbabwe Human Rights NGO Forum (ZHRF): Das ZHRF ist ein Zusammenschluss von 22 Organisationen aus verschiedenen Bereichen der Menschenrechtsarbeit. Das ZHRF ist das ausführende Organ und Sekretariat der National Transitional Justice Working Group (NTJWG). Die NTJWG ist eine Plattform von 46 nicht-staatlichen Organisationen, die sich für Menschenrechte und Übergangsjustiz (Transitional Justice, TJ) engagieren. Die Plattform schafft eine Schnittstelle zwischen den zivilgesellschaftlichen TJ-Akteurinnen und Akteuren und dem offiziellen TJ-Prozess, einschließlich der im Zuge der neuen Verfassung von 2013 eingerichteten Nationalen Friedens- und Versöhnungskommission (NPRC).
  • Zimbabwe Human Rights Association (ZimRights): ZimRights ist eine nationale, mitgliedsbasierte Menschenrechtsorganisation, die die simbabwische Bevölkerung über Menschenrechte aufklärt und sie stärkt, diese einzufordern. Lobbyarbeit und Advocacy sowie gemeindebasierte Dialogarbeit sind die Hauptansätze der Organisation.

Projektstandorte: Hauptstadt Harare, Distrikte Chimanimani und Buhera (Provinz Manicaland), Provinz Matabeleland North, Distrikte Gwanda, Plumtree und Beitbridge (Provinz Matabeleland South), Provinzstadt Bulawayo (Provinz Bulawayo), Distrikte Gweru, Vungu, Runde, Tongogara, Mberengwa (Provinz Midlands), Distrikte Chiredzi, Zaka, Masvingo, Mucheke, Mwenezi und Gutu (Provinz Masvingo), der Partner ZHRF arbeitet mit Überlebenden aus allen 10 Provinzen des Landes. Darüber hinaus organisieren mehrere Partnerorganisationen Aktionen mit landesweiter Reichweite.
 

Das SIMBABWE-FACTSHEET Was kann Zukunftsplänen Raum geben? FRIEDEN KANN.“ und weitere Informationen über die Zusammenarbeit von CCMT und ZFD finden Sie hier.

 

Foto: Ulli Westermann; Text: Vivien Martens, ZFD-Fachkraft in Simbabwe, und die ZFD-Redaktion