Sierra Leone: Frauen brauchen verlässlichen Schutz vor Gewalt

In Sierra Leone gibt es starke Gesetze zum Schutz vor häuslicher und sexueller Gewalt  – Doch an deren Umsetzung mangelt es. So berichtet ZFD-Fachkraft Nadine Karmann, die im AMNet-Büro in Freetown als Beraterin für Gender und Friedensarbeit arbeitet.

AMNet (Advocacy Movement Network) ist eine junge NGO und setzt sich für den Kinderschutz, die Stärkung der Jugend und Gleichberechtigung der Geschlechter. Ihr Grundgedanke ist, marginalisierte Gruppen so zu stärken, dass sie ihre Rechte effektiv einfordern können und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist die Unterstützung von Frauen, die akut Gewalt erlebt haben.

AMNet klärt diejenigen auf, die in der Verantwortung stehen, den Opfern beizustehen: die Polizei, den Schuldienst, das Regierungskrankenhaus und die Distriktregierung sowie die traditionellen und religiösen Autoritäten. Zudem bildet AMNet die Nichtregierungsorganisationen und die Medien weiter, damit diese die Verantwortlichen an ihre Verpflichtungen erinnern.

Zu diesem Zweck hat Nadine Karmann gemeinsam mit ihren Kollegen ein Training entwickelt. Sie half dabei, die gesetzliche Grundlage zu analysieren und brachte Ideen ein, wie man durch systematische Vernetzung, Berichte und Monitoring nachhaltige Verbesserungen erreichen kann. Ihre Kollegen stellten sicher, dass diese Ideen dem lokalen Kontext gerecht werden. Im Trainingsseminar hat sich ein starkes Netzwerk von Verfechtern der Frauenrechte gebildet. Nun verfolgen die Fürsprecher gemeinsam Fälle von Gewalt gegen Frauen und einen Aktionsplan, um die systemischen Herausforderungen anzugehen.

In monatelanger Lobbyarbeit haben sie beispielsweise das Krankenhaus von der Umsetzung der kostenfreien Untersuchung und Berichtausstellung für Gewaltopfer überzeugt. Und während eine Organisation psychosoziale Beratung bietet, wird in der Distriktregierung sicher gestellt, dass die Medikamente bezahlt werden. Obendrein setzt der Gerichtsdiener diese Fälle ganz oben auf die Tagesordnung. Somit leisten sie gemeinsam einen wichtigen Beitrag zu mehr Frauengerechtigkeit.

Link zum Originalartikel von Nadine Karmann