Sierra Leone: Doppelt im Fokus

14.12.2017

Der ZFD hat in Sierra Leone ein Filmprojekt ins Rollen gebracht, das Jugendlichen neue Ausdrucksformen eröffnet. Ende Oktober fand in Freetown der Auftaktworkshop statt. Teilgenommen haben ZFD-Fachkräfte und ihre Counterparts aus sechs Partnerorganisationen.

Im Workshop ging es darum, wie Menschen mit dem Medium Film ihren Anliegen besser Gehör verschaffen können. Und zwar nicht nur als Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern indem sie Kamera und Regie selbst in die Hand nehmen.

Die Methode nennt sich „Participatory Video“, also in etwa partizipatives Filmemachen. Hier stehen die Macherinnen und Macher selbst im Fokus. Sie bestimmen die Themen und entscheiden, wie sie angesprochen werden. Sie entwickeln Drehbuch wie auch Storyboard und machen sich dann an die Umsetzung. Somit sind sie sowohl Protagonisten als auch Regisseurinnen ihrer eigenen Geschichten.

„Partizipative Filme können Veränderungsprozesse anstoßen und dokumentieren, den Dialog fördern, politisch etwas bewegen, Erfolgsgeschichten in die Welt bringen und die Aufarbeitung von persönlichen und gesellschaftlichen Prozessen unterstützen“ beschreibt Trainerin Lisa Glahn die Möglichkeiten des partizipativen Filmemachens. Mit ihrer Kollegin Mirjam Leuzes hat sie 2008 in Köln die Agentur myview gegründet, die sich auf Workshops in Participatory Video spezialisiert hat.

Den „Train-the-Trainer“-Workshop in Freetown hat ZFD-Fachkraft Elke Schäfter organisiert. Die Politikwissenschaftlerin berät sierra-leonische Partnerorganisationen bei ihrer Advocacy- und Medienarbeit. Im Rahmen des Workshops haben die Teilnehmenden gelernt, wie sie die Methode des partizipativen Filmemachens in ihrer Arbeit mit Jugendlichen einsetzen können. Dabei wurde informiert und diskutiert, aber natürlich auch gefilmt.

Die Teilnehmenden entwickelten Storyboards, trainierten Interviewtechniken und den Umgang mit der Kamera. Am fünften Tag ging es auf die Straße, um das Gelernte auszuprobieren und erste Ideen umzusetzen. Heraus kamen kurze Filme zur Arbeit in Steinbrüchen, dem Überleben ohne sauberes Wasser und was Jugendliche mit Freetown verbinden.

Das einwöchige Training war der Auftakt zu einem Filmprojekt, das auf sechs Monate angelegt ist. Die Teilnehmenden werden über ihre jeweilige Organisation eigene Filmprojekte mit Jugendlichen angehen. Themen hierfür haben sie im Workshop erarbeitet. Trainerin Lisa Glahns steht ihnen online beratend beiseite. Im März 2018 werden alle Teilnehmenden wieder zusammenkommen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Auch erste Ergebnisse werden dann zu sehen sein.


Die Partnerorganisationen des ZFD arbeiten in Sierra Leone daran, die vernachlässigte Generation der Jugend zu stärken. Als Folge des Bürgerkriegs von 1991 bis 2002 leben viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene am Rand der Gesellschaft.

Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 24, mehr als 40 Prozent jünger als 15. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent. Teilhabe und Mitbestimmung ist dem Gros der Jugendlichen und jungen Erwachsenen verwehrt. Ihre Perspektivlosigkeit führt häufig zu Kriminalität und Drogenmissbrauch. Es wächst die Sorge, dass von dieser vernachlässigten Generation mittelfristig eine Gefahr für den mühsam erreichten Frieden ausgehen könnte.

Das Filmprojekt ist ein Beispiel, wie Jugendliche in Sierra Leone gestärkt und bemächtigt werden, sich wirkungsvoller für ihre Belange einzusetzen, damit sie besser gehört werden und letztlich politische und gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können.