Philippinen: Dem Extremismus die Wurzel ziehen

3.5.2018

Das Friedensinstitut IPDM der Mindanao State University ergründet die Ursachen von Radikalisierung und Extremismus in der Region. Seit der Belagerung von Marawi City durch IS-nahe Rebellen im vergangenen Jahr wird das Institut immer häufiger von Regierung, Militär und Zivilgesellschaft als Berater angefragt – auch wenn es um die Aufarbeitung der Geschehnisse und den Wiederaufbau der Stadt geht. Der ZFD unterstützt das IPDM seit 2007.

Vor knapp einem Jahr nahmen IS-nahe Rebellen die Stadt Marawi ein. Es entbrannten heftige Gefechte mit dem Militär, die fünf Monate andauerten. Fast alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt mussten fliehen. Im Zuge der Kämpfe wurde die Stadt zu 95 Prozent zerstört.

Gewaltsam ausgetragene Konflikte sind auf Mindanao, der zweitgrößten Insel der Philippinen, nicht neu. Seit mehr als 40 Jahren flammen bewaffnete Gefechte zwischen dem philippinischen Staat und verschiedenen Rebellen- und Separatistengruppen auf, die für die Unabhängigkeit der überwiegend von Muslimen bewohnten Regionen Mindanaos kämpfen.

Das Institut für Frieden und Entwicklung in Mindanao (IPDM) an der Mindanao State University – Iligan Institute of Technology (MSU-IIT) geht den Ursachen und Folgen der Gewalt nach. Zwar haben die Konfliktursachen historische Wurzeln. Dennoch treten immer wieder neue Akteure auf den Plan, die Rahmenbedingungen ändern sich, neue Faktoren kommen hinzu.

Dieser Herausforderung begegnet das IPDM mit gleichsam fundierter wie innovativer Friedensforschung. So wird etwa der dringlichen Frage nachgegangen, warum sich Jugendliche Gruppierungen gewalttätiger Extremisten anschließen – und was hilft, sie davor zu schützen.

Kürzlich fand ein gemeinsamer Workshop von IPDM und ZFD mit dem Büro des Präsidentenberaters für den Friedensprozess (OPAPP) statt. Mithilfe eines sogenannten Konfliktbaums (s. Foto) wurde die Lage in der Krisenregion Lanao del Sur mit der Hauptstadt Marawi City genaustens unter die Lupe genommen. Der Konfliktbaum ist ein bewährtes Mittel der Konfliktanalyse. Um die spezifischen Bedingungen in der Region adäquat abbilden zu können, wurde das Modell um weitere Elemente angereichert.

Inzwischen gilt das IPDM (“Institute for Peace and Development in Mindanao”) – in Partnerschaft mit dem OPAPP – als Schlüsseltrainer und Moderator im laufenden Friedensprozess in der Region. Dabei scheuen sich die Mitarbeitenden des IPDM nicht, Schwächen der Regierungsstrategie zur Terrorismusbekämpfung zu benennen.

Schließlich geht es darum, die Geschehnisse effektiv aufzuarbeiten und eine Wiederholung dauerhaft zu verhindern. Dafür braucht es eine konfliktsensible Herangehensweise, die die verschiedenen Anliegen berücksichtigt und einbezieht. Mark Anthony Torres, Direktor des ZFD-Partners IPDM, ist sich sicher, dass die Forschung und das Engagement seines Teams dazu beitragen, den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen - denn es werden auch die sozialen und kulturellen Ungerechtigkeiten herausgestellt, die die Rekrutierung junger Menschen durch radikale Gruppen erleichtern.


Wenn Sie mehr über die Situation in Marawi und die Arbeit des ZFD auf den Philippinen erfahren möchten, besuchen Sie unser Online-Dossier „Gewalt vorbeugen – das geht“.

Dort geben Gespräche und Reportagen einen intensiven Einblick in das friedensfördernde Engagement des ZFD und seiner Partnerorganisationen auf Mindanao.