Palästinensische Gebiete: Werken als Widerstand

21.3.2019

Während ihr Dorf Al-Walajah immer weiter schrumpft, bauen die Frauen des Dorfes ihren friedlichen Widerstand aus. Vor kurzem haben sie allen Widrigkeiten zum Trotz eine Holzwerkstatt eröffnet. Hier entstehen Upcycling-Produkte, mit denen sie auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen wollen.

Ende 2018 war es soweit: die Frauengruppe von Al Walajah feierte die offizielle Eröffnung ihrer Werkstatt „RWEISAT for Wood Art“. Die Eröffnung war für alle Beteiligten ein bewegender Moment. Er erlaubte einen Rückblick auf die Errungenschaften der Frauen – und machte allen Anwesenden ein klein wenig Hoffnung für die Zukunft. Der Vorsitzende des Dorfrats, Ala Al-Darras, würdigte das Engagement der Frauengruppe: „Das Projekt trägt zum Allgemeinwohl und zum Widerstand des Dorfes bei.“

Al-Walajah ist ein palästinensisches Dorf mit rund 2.400 Menschen, vier Kilometer von Bethlehem entfernt, eine palästinensische Enklave, umschlossen von Mauern, Checkpoints und israelischen Siedlungen. Eigentlich liegt Al-Walajah im Westjordanland. Doch die fast fertiggestellte Sperranlage, die Israel vor Angriffen schützen soll, riegelt Al-Walajah in naher Zukunft vom restlichen Westjordanland ab. Nur eine Zufahrtsstraße führt noch ins Dorf.

Wenige Wochen vor der Eröffnungsfeier waren drei weitere Wohnhäuser zerstört worden. Durch den fortschreitenden Siedlungsbau ist die Größe Al-Walajahs über die Jahre von ursprünglich 18 auf 0,5 Quadratkilometer geschrumpft. Rund 50 Häuser wurden in der Vergangenheit bereits zerstört, weite Bereiche des Dorfes vereinnahmt. Die strategisch bedeutsame Lage des Dorfes setzt die Dorfbevölkerung permanent der Gefahr aus, vertrieben zu werden.

Die zunehmende Isolierung Al-Walajahs bedeutet für die Menschen Einschränkungen in allen Bereichen des Lebens: Der Zugang zu Arbeits- und Ausbildungsplätzen, zu medizinischer Versorgung und zu kulturellem Leben wird drastisch erschwert. Die Fraueninitiative von Al-Walajah will dies nicht tatenlos hinnehmen. Dem tristen Alltag der Besatzung trotzen die Frauen mit gemeinschaftlichen und hoffnungsschürenden Aktivitäten. Dem Grau der Grenzanlage setzen sie Farbenfreude entgegen. Sie legen blühende Gärten an und bauen bunte Möbel aus Abfall.

Mit der neuen Werkstatt „RWEISAT for Wood Art“ erweitern die Frauen von Al Walajah nun ihre Handlungsmöglichkeiten – und ihren ganz persönlichen Widerstand. Sie hoffen auf eine breite Öffentlichkeit, damit die fortschreitende Isolierung ihres Dorfes bekannt und vielleicht doch noch aufgehalten wird. Der Name der Werkstatt wurde in Anlehnung an den Hügel RWEISAT in Al-Walajah gewählt. Dieser soll jüngsten Plänen zufolge für den israelischen Siedlungsbau beschlagnahmt werden. Der Zivile Friedensdienst unterstützt die Initiative seit ihren Anfangstagen in 2015.


Wollen Sie mehr über die standhaften Frauen von Al Walajah erfahren?

ZFD-Träger KURVE Wustrow hat eine erlebenswerte Multimedia-Reportage erstellt: www.sumud-al-walajah.info. Außerdem wurden ein Fotobuch und ein Hörspiel produziert. Den Facebook-Auftritt zur neuen Holzwerkstatt mit eindrucksvollen Arbeitsproben finden Sie hier.

 

Quelle: KURVE Wustrow; Foto: KURVE Wustrow / Katja Volkenant