Palästinensische Gebiete: Social Media for Social Change

18.1.2018

Vor Kurzem fand in Bethlehem die Konferenz „Social Media for Social Change“ statt. Unter den Teilnehmenden waren Kräfte aus NGOs, Studierende, Aktivisten und Journalistinnen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom ZFD und seinem Partner 7amleh.

Social Media als Motor gesellschaftlichen Wandels

In seiner Auftaktrede betonte Nadim Nashif, Direktor von „7amleh – The Arab Center for Social Media Advancement“, wie bedeutsam digitale Kanäle und Instrumente für die Anliegen der palästinensischen Zivilgesellschaft seien – in der Wirkung nach außen, genauso wie nach innen. Sie könnten helfen, ein Umdenken auf allen Seiten anzustoßen.

ZFD-Fachkraft Mike Thanner ging in seinem Beitrag vor allem auf die Chancen ein, die sich durch Internet und soziale Medien bieten: größere Aufmerksamkeit, stärkere Teilhabe und Mitwirkung, Beitrag zur Demokratisierung der Gesellschaft und die Erreichbarkeit unterschiedlicher sozialer Gruppen.

Das Impulsreferat hielt Dr. Nader Salha, Leiter des Fachbereichs Medien an der al-Quds University, der einzigen arabischen Uni in Jerusalem. Nach einem historischen Überblick über die technische Medienentwicklung seit den 70ern, kam Salha auf die Bedeutung von Social Media in der heutigen Zeit zu sprechen: Wie können digitale Kanäle genutzt werden, um gesellschaftlichen Wandel zu befördern? Wo liegen Chancen, Herausforderungen und Gefahren?

Preisgekrönt und erfolgreich boykottiert: Ein Film kommt in der Realität an 

Hierzu nahm Dr. Nader Salha verschiedene Kampagnen der palästinensischen Zivilgesellschaft aus der letzten Zeit unter die Lupe; darunter auch kontrovers diskutierte Aktionen gegen den Film „The Insult“.

Bei den Filmfestspielen in Cannes im September 2017 fand „The Insult“ besondere Beachtung: Hauptdarsteller Kamel El Basha wurde für seine Leistung als bester Schauspieler geehrt. In dem Drama des libanesischen Regisseurs Ziad Doueiri spielt Basha einen palästinensischen Bauarbeiter, der mit dem Anwohner einer Baustelle in Beirut in die Wolle gerät. Ihr Streit läuft derart aus dem Ruder, dass die libanesische Stadt kurz vor einem Bürgerkrieg steht.

Auf dem Filmfestival „Days of Cinema Festival“ in Ramallah einen Monat später wurde der Film kurzerhand aus dem Programm genommen. Aktivisten hatten erfolgreich Stimmung gegen den Film gemacht. Die Gemeindeverwaltung Ramallahs strich daraufhin die Ausstrahlung des Films. Kulturschaffende, darunter auch Kamel El Basha, selbst palästinensischer Herkunft, aber auch andere Akteure der Zivilgesellschaft äußerten sich empört bis beunruhigt. Ihrer Auffassung nach schränke dies die Meinungsfreiheit über Gebühr ein.

Die Diskussion am Laufen halten

Auch auf der Konferenz „Social Media for Social Change“ wurde intensiv, zum Teil auch kontrovers diskutiert. Das bleibt nicht aus – und ist durchaus gewollt. Denn Unverständnis entsteht dort, wo das Gespräch endet. Im Zentrum der Konferenz stand diesmal allerdings weniger die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern vielmehr die fachliche. Die parallel stattfindenden Workshops kreisten um die Themen Digitale Sicherheit, Kampagnenarbeit via Social Media, Crowdfunding, Marketing und Positionierung im internationalen Kontext.

Auf der englischsprachigen Facebook-Seite von 7amleh können die regen Aktivitäten der noch jungen Nichtregierungsorganisation weiter verfolgt werden. Zwei weitere Beispiele: Erst gestern, am 17.1.2018, fand in Ramallah das von 7amleh organisierte "Palestine Digital Activism Forum" statt. Mit finanzieller Unterstützung durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wurde kürzlich eine Multimedia-Kampagne zu Digitaler Sicherheit gestartet; Kooperationspartner ist in diesem Fall die Deutsche Welle Akademie.