Myanmar: Für ein Ende der Gewalt!

14.6.2018

Im Kachin-Staat im Norden Myanmars eskaliert seit April der Konflikt zwischen Militär und der „Kachin Independent Army“. Tausende Zivilistinnen und Zivilisten sind im Kampfgebiet eingeschlossen. Der ZFD-Partner „Naushawng Development Institute“ (NDI) mobilisiert friedliche Proteste in der Provinzhauptstadt Myitkyina.

Die Stimmung in Myitkyina ist angespannt. In der Hauptstadt des Kachin-Staates wächst der Widerstand in der Bevölkerung. Jeden Tag beteiligen sich mehr Menschen an den friedlichen Demonstrationen. Sie protestieren für ein Ende der Kampfhandlungen und freies Geleit der im Krisenherd eingekesselten Zivilbevölkerung. Sie fordern, dass Lebensmittelkonvois und medizinische Hilfe die Eingeschlossenen und die über 100.000 Binnenvertriebenen erreichen können. Und sie fordern einen Dialog zwischen den Konfliktparteien, um den Frieden wiederherzustellen. Parallel zu den Protesten steigt auch die Militärpräsenz in der Stadt. Anfangs waren bei den Demonstrationen kaum Polizei und Militär präsent. Jetzt werden die Protestierenden von Uniformierten mit vollautomatischen Waffen flankiert.

Seit Anfang April 2018 kommt es in der christlich geprägten Region im Norden Myanmars wieder zu massiven Kampfhandlungen zwischen der „Kachin Independence Army“ (KIA) und dem Militär – in einem Konflikt, der seit fast 60 Jahren andauert. Nach Angaben der Vereinten Nationen (VN) mussten seit April rund 10.000 Menschen in anderen Gebieten Schutz suchen. Insgesamt gibt es mehr als 100.000 Binnenvertriebene im Norden Myanmars, die seit Jahren in Geflüchtetencamps in den Regionen Kachin und Shan ausharren. Viele wurden seit 2011, nachdem ein 17 Jahre währender Waffenstillstand zwischen KIA und Militär brach, gleich mehrfach vertrieben. Internationale und nationale humanitäre Organisationen haben nur begrenzten Zugang zu den Vertriebenen. Viele der seit April Geflüchteten haben in Myitkyina Zuflucht gefunden – in Kirchen, Camps oder Gastfamilien. Doch laut Angaben der VN sind noch mindestens 5.000 Zivilistinnen und Zivilisten im Krisenherd gefangen.

In der Provinzhauptstadt Myitkyina hat auch die ZFD-Partnerorganisation Naushawng Development Institute (NDI) ihren Sitz. NDI engagiert sich seit 2009 für Menschenrechte, Demokratie und Frieden in Myanmar und wird dabei vom Zivilen Friedensdienst unterstützt. Die Organisation setzt dabei vor allem auf Bildung, Forschung und Stärkung der Zivilgesellschaft. NDI hat bereits rund 1.000 junge Erwachsene in Konfliktbearbeitung, Friedensförderung und gemeindeorientierter Arbeit geschult. Viele der 1.000 Alumni sind miteinander vernetzt – und nehmen nun an den friedlichen Demonstrationen teil. Ein Mitarbeiter des NDI äußert sich trotz aller Widrigkeiten hoffnungsvoll: „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit friedlichem Protest, mit Dialogbereitschaft, viel erreichen können. Unsere Protestbewegung ist groß. Sogar in Rangun halten sie Schilder mit Aufschriften wie „Befreit die gefangenen Zivilisten!“ hoch. Wir sind eine landesweite Bewegung!“

 

Quelle & Foto: Weltfriedensdienst