Mindanao: Indigene Stimmen in den Friedensprozessen

29.11.2016

Erstmalig hat sich die indigene Bevölkerung auf Mindanao als eigenständiges Gremium organisiert, um bei den Friedensprozessen als unabhängige und gleichwertige Partei aufzutreten.

Welche Themen sind für die Indigenen dabei wichtig und wie können sie sich aktiv am Friedensaufbau beteiligen? Antworten auf diese Fragen trug in den vergangenen Monaten die ZFD-Partnerorganisation Mindanao Peoples´ Peace Movement zusammen. Sie führte Konsultationen mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen indigenen Gruppen zu den Friedensprozessen auf der philippinischen Insel durch.

In der Vergangenheit wurden die Indigenen bei den Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den verschiedenen Rebellengruppen außen vor gelassen. Dadurch wurden sie noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Selbstbestimmt haben sie nun entschieden, unter der neuen philippinischen Regierung, ihre Stimme zu erheben und in den beiden Friedensprozessen – einerseits zwischen der philippinischen Regierung und den muslimischen Rebellengruppen und andererseits zwischen der philippinischen Regierung und der kommunistischen Bewegung – für ihre Belange und Rechte einzutreten. Dabei werden sie vom Mindanao Peoples´ Peace Movement (MPPM) unterstützt.

Im Rahmen der Konsultationen durch MPPM forderten die Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker eine Agenda für Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung. Sie wiesen dabei auf ihre Situation als Opfer der bewaffneten Konflikte hin, bei denen ihre individuellen und kollektiven Rechte verletzt werden. Die Indigenen sind insbesondere von Vertreibungen, Landrechtsverletzungen aber auch von Diskriminierung und Marginalisierung betroffen. Sie bezeichnen sich aber auch als Opfer der Friedensverhandlungen, bei denen sie bisher nicht ernsthaft berücksichtigt wurden. Vielmehr instrumentalisierten die unterschiedlichen Konfliktparteien die Indigenen für die jeweils eigenen politischen Interessen.

Die philippinische Inselgruppe Mindanao, Sulu, Basilan, Tawi-Tawi und Palawan ist eine der am wenigsten entwickelten Regionen des Landes. Der Friedensvertrag zwischen Staat und der Rebellengruppe Moro Islamic Liberation Front (MILF) beendete im März 2014 zwar einen jahrzehntelangen bewaffneten Konflikt. Die Ursachen für die Auseinandersetzungen bestehen aber fort, und der Frieden steht auf tönernen Füßen: die ungleiche Verteilung von Land und Ressourcen und die Benachteiligung großer, besonders muslimischer und indigener, Teile der Bevölkerung sorgen weiterhin für Konflikte. Der „Krieg gegen Drogen“ der neuen philippinischen Regierung und ihr intensives militärisches Vorgehen gegen Banditen, die sich als ISIS-nahe Gruppierungen bezeichnen, führen zusätzlich zu Instabilität auf Mindanao und zu einer dramatischen Verschlechterung der Menschenrechtslage in den Philippinen.

Lesen Sie die Deklaration der Konferenz der indigenen Führungspersönlichkeiten hier: http://tripeoplesjournal.blogspot.de/2016/10/declaration-in-occasion-of-indigenous_29.html?view=magazine