„Mediation Fusion“ – Neue Publikationen aus dem ZFD in Äthiopien

Mediation ist keine westliche Erfindung: „Auf dem afrikanischen und dem asiatischen Kontinent wurden die sogenannten ‚indigenen‘ Konfliktlösungsmechanismen und -systeme aufrechterhalten, während in westlichen Gesellschaften die traditionellen Systeme, um Konflikte beizulegen, fast vergessen wurden. Erst vor kurzem wurden hier die alternativen Konfliktlösungsmechanismen wieder entdeckt, insbesondere die Mediation.“ So steht es im neuen Trainingsmanual aus dem ZFD der GIZ in Äthiopien, das den Titel trägt: „Merging Wise Counsel Mediation and Facilitation Mediation“. Während beim westlichen Ansatz eine unparteiliche Person interveniert und die Diskussion zwischen den Streitparteien moderiert, so dass die Parteien miteinander ein Ergebnis aushandeln, sind die Wise Counsel Mediatoren eher wie traditionelle Richter oder Schlichter, die die Macht haben, für die Streitparteien bindende Entscheidungen zu fällen.

Das Trainingsmanual, an dem eine Gruppe äthiopischer MediatorInnen mitgewirkt hat, ist ein Tool für die Praxis. Natürlich richtet es sich am äthiopischen Kontext aus, aber – so steht es im Vorwort – es kann auch in anderen Ländern und Kulturen benutzt werden als ein Beispiel dafür, wie ‚importierte‘ Konfliktlösungsmethoden mit lokaler Weisheit verbunden werden können. Hier steht die englische Version zum Download bereit; demnächst erscheint eine Ausgabe auf Amharisch.

Wer sich für den äthiopischen Kontext interessiert, dem seien zwei weitere Publikationen empfohlen. „Customary Institutions and Traditions in Pastoralist Society: Neglected Potential for Conflict Resolution“ – ein Artikel der ZFD-Fachkraft Katja Gönc und dem amerikanischen Anthropologen der Harvard Universität Luke Glowacki (erschienen in der afrikanischen Zeitschrift Conflict Trends 1/2013). Vom selben Autorenpaar erschien die Studie Investigating the Potential of Peace Committees“ (Commissioned by he Ethiopian Conflict Early Warning and Early Response Unit (CEWERU) in collaboration with the GIZ Civil Service Program, 2013), die sich auch auf vom ZFD-Programm unterstützte Aktivitäten bezieht. Die äthiopischen lokalen Friedenskomittees gehören letztlich zu einem internationalen Netzwerk, dem Conflict Early Warning and Early Response, in den Ländern Dijbouti, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia, Südsudan, Sudan und Uganda.