Mazedonien: Veränderung in die Hand nehmen

19.4.2018

Die mazedonische Gesellschaft braucht mehr Zusammenhalt. Doch wie können aus Barrieren Brücken werden? Der ZFD-Partner LOJA setzt unter anderem auf kreativen Protest. Diese Woche endete ein weiteres „Civic Activism“-Training. Die Teilnehmenden werden nun als „Transformers“ gemeinsame Aktionen starten, um nachdrücklich, aber gewaltfrei auf Missstände aufmerksam zu machen.

Mazedonien ist ein gespaltenes Land. Menschen verschiedener ethnischer Zugehörigkeit haben im Alltag kaum Kontakt. Minderheitenrechte lassen zu wünschen übrig. Für die Stabilität des Landes ist das gefährlich. Aus dem Nebeneinander könnte irgendwann wieder ein Gegeneinander werden – so wie 2001, als albanische Rebellen und mazedonische Sicherheitskräfte gewaltvoll aufeinanderprallten.

Das „Transformers“-Projekt bringt Menschen unterschiedlicher Couleur zusammen, damit sie sich für gemeinsame Interessen gemeinsam stark machen. Engagierte Leute zwischen 20 und 30 Jahren werden zu Akteurinnen und Akteure des gesellschaftlichen Wandels ausgebildet. Ein- bis zweimal im Jahr finden die sogenannten „Civic Activism“-Trainings statt. Die Gruppen sind ethnisch gemischt, gesprochen wird Englisch.

Anschließend setzen die Teilnehmenden eigene „Transformers-Projekte“ um – ebenfalls in gemischten Aktionsgruppen. Mit Kunst-, Kultur- und Bildungsveranstaltungen machen sie auf Missstände aufmerksam, bringen die Leute ins Gespräch und leben ganz nebenbei ein Miteinander über ethnische Grenzen hinweg.

So veranstalten Jugendliche beispielsweise ein Basketballturnier. Alles ist perfekt organisiert: Die Spielerinnen und Spieler sind bereit, das Publikum wartet erwartungsvoll. Cheerleader heizen die Stimmung an. Der Schiedsrichter pfeift das Spiel an. Doch was fehlt, sind die Körbe und der Ball. Die Jugendlichen spielen trotzdem – und machen mit dieser pantomimischen Performance eindrucksvoll auf die maroden Zustände im öffentlichen Raum aufmerksam.

Bislang konnten mehr als 40 junge Aktivistinnen und Künstler trainiert werden. Der öffentliche Raum ist ihre Bühne. So sind die Transformers direkt an den Menschen dran. Das belebt den Dialog und motiviert auch andere zu mehr Engagement. 2017 wurden in Tetovo und Štip über 20 Aktionen durchgeführt.

Das soeben erfolgreich abgeschlossene Training verspricht auch für 2018 weitere inspirierende, öffentlichkeitswirksame Aktionen. Ein Überblick über die bisherigen Transformers-Projekte findet sich auf der Projektwebsite (auf Englisch).

Das Projekt „Transformers“ wird vom Center for Balkan Cooperation LOJA aus Tetovo in Kooperation mit der Association of the Textile and Leather Industry Workers 'The Silent Majority / LOUD' aus Štip durchgeführt. Unterstützt werden sie dabei durch USAID und den Zivilen Friedensdienst.


Übrigens: Mazedonien ist das nächste Schwerpunktland in unserem Online-Dossier „Gewalt vorbeugen – das geht“. Bald schon erfahren Sie dort mehr über die friedensfördernde Arbeit des ZFD und seiner Partner in Mazedonien.