Mazedonien: Mit Bildung Mauern einreißen

9.5.2018

Was tun, wenn eine Gesellschaft so zerrissen ist, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft keine Berührungspunkte mehr haben? Die mazedonische Organisation LOJA ist überzeugt: Kinder und Jugendliche müssen von klein auf lernen, Vorurteile abzubauen, damit Gewalt keine Chance hat. Dank LOJA ist multiethnische Jugendarbeit heute Teil des Lehramtstudiums an allen staatlichen Unis.

Mazedonien ringt seit seiner Unabhängigkeit um inneren Frieden. Die gesellschaftliche Spaltung ist so tief, dass beispielsweise Menschen albanischer und mazedonischer Herkunft im Alltag kaum Kontakt haben. Am deutlichsten zeigt sich das im Bildungssystem: Mitten in Europa werden Kinder in ethnisch getrennten Klassen unterrichtet. Das ist gefährlich für die Stabilität des Landes, denn Mazedonien erlebte bereits 2001 einen bewaffneten Konflikt zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Sicherheitskräften.

Damit sich die blutige Vergangenheit niemals wiederholt, muss die mazedonische Gesellschaft zusammenwachsen. Dafür setzt sich das „Zentrum für Balkankooperation LOJA“ ein. Innerhalb von zehn Jahren gelang es, die mazedonische Bildungslandschaft zu revolutionieren: Multiethnische Bildung ist dank LOJA heute fester Bestandteil des Lehramtstudiums an einer freien und allen staatlichen Universitäten. Mit multiethnischer Jugendarbeit bringt LOJA zudem junge Menschen unterschiedlicher Herkunft – oft erstmals in ihrem Leben – in Kontakt. Das ist wichtig, denn nur durch die Begegnung können Vorurteile und Ängste abgebaut werden.

„Durch unsere Aktivitäten ist eine Kultur der aktiven Zivilgesellschaft gewachsen. Immer mehr Menschen werden zu Stimmen der Veränderung. Unsere Kooperation mit den Universitäten hat zudem ein nachhaltiges Instrument zur Gewaltprävention hervorgebracht“, sagt Bujar Luma, Geschäftsführer von LOJA „Wir leben aber nach wie vor in einem fragilen Frieden. Die Prozesse, die wir initiiert haben, müssen weiter unterstützt werden. Mehr Mittel würden uns helfen, die Zusammenarbeit mit den Unis, der Zivilgesellschaft und den Medien auszubauen.“

In unserem Online-Dossier „Gewalt vorbeugen – das geht“ zeigen wir ab heute, wie die Arbeit in Mazedonien Fahrt aufgenommen hat, wie sie wirkt und was mit mehr Unterstützung noch möglich wäre.

LOJA wird seit 2002 vom Zivilen Friedensdienst unterstützt.


Der Beitrag zu Mazedonien ist Teil des Online-Dossiers „Gewalt vorbeugen – das geht“, das die Arbeit des ZFD im Bereich Gewaltprävention seit Juli 2017 an Beispielen aus der Praxis zeigt. Hier geht´s zum gesamten Dossier.