Libanon: We love Barelias

26.7.2018

„Es ist eine große Sache für uns“, sagt der stellvertretende Bürgermeister von Barelias zur jüngsten Initiative des Projekts „Future Together Now“. Vor kurzem wurde im Park der Stadt eine Skulptur errichtet. Es ist eine Liebeserklärung an die Stadt und zugleich ein Bekenntnis zur Gemeinschaft in einer Grenzstadt, die über ein enormes Konfliktpotenzial verfügt.

Die Skulptur springt sofort ins Auge – und die Botschaft auch. „We love Barelias“, prangt da in roten und grünen Lettern. „one community“ wird dann in Weiß auf Schwarz ergänzt. „So eine Skulptur mag vielleicht einfach aussehen, aber es ist eine große Sache für uns. Wir danken allen, die das auf die Beine gestellt haben“, würdigt der stellvertretende Bürgermeister das plakative, aber wirkungsvolle Ergebnis.

„Das ist eines der schönsten Dinge, die in Barelias gemacht wurden“, bestätigt Jamal Mousa. „Ich habe das Gefühl, dass meine Stadt jetzt etwas hat, das sie vorzeigen kann.“ Der 42-jährige Libanese arbeitet mit der ZFD-Partnerorganisation „Basmeh & Zeitooneh“ (dt.: ein Lächeln und ein Olivenbaum) zusammen, die das Projekt „Future Together Now“ durchführt. Die Nichtregierungsorganisation setzt alles daran, das Konfliktpotential in der Stadt zu mindern. Und das ist enorm.

Barelias ist eine libanesische Kleinstadt an der Grenze zu Syrien. Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs haben viele Geflüchtete in Barelias Zuflucht gefunden. Mehr, als die Stadt eigentlich verkraften kann. Es gibt zu wenig Wohnraum, Arbeitsplätze, Kitas und Schulen. Hinzu kommen Energie-, Wasser- und Abfallprobleme. Das sorgt für Spannungen zwischen den syrischen Geflüchteten und der libanesischen Bevölkerung. Konflikte eskalieren in dieser Situation schnell.

Mit Maßnahmen ziviler Konfliktbearbeitung arbeitet „Basmeh & Zeitooneh“ daran, die nachvollziehbaren Spannungen zwischen Einheimischen und Geflüchteten abzubauen und konstruktiv zu wenden. Das Projekt „Future Together Now“ plant und veranstaltet seit 2015 gemeinsame Aktionen mit libanesischen und syrischen Menschen aus Barelias – zum Beispiel ein Recyclingprojekt, dessen Einnahmen der Gemeinde zugutekommen. Auf diese Weise kommen beide Seiten zwangsläufig miteinander ins Gespräch; Vorbehalte werden abgebaut und es wächst zunehmend Verständnis. In der gemeinsamen Aktion gelingt dann sogar der Brückenschlag: Gemeinsam setzen sich die Beteiligten für ein friedliches Miteinander beider Gemeinschaften ein.

Das ist auch der Gedanke hinter der Ende 2017 eingeweihten Skulptur. „Syrer und Libanesen fühlen sich als eine Gemeinschaft in Barelias, das wollen wir zum Ausdruck bringen“, erklärt Walaa Abou Jayyab aus dem Organisationsteam. Die Palästinenserin aus Syrien lebt seit 2012 im Libanon. Bei „Basmeh & Zeitooneh“ wurde sie zur Gemeinwesenarbeiterin (Community Activist) ausgebildet. Die Aus- und Fortbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ist ein zentraler Punkt in der Arbeit der Organisation, damit der Ansatz gewaltfreier Konfliktbearbeitung immer weitere Kreise zieht und das Konfliktpotential aufgefangen wird. Der Zivile Friedensdienst unterstützt „Basmeh & Zeitooneh“ dabei.


Das Projekt wird mit Mitteln aus der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Die Zitate und das Foto stammen aus der Reportage „Ein Herz für Bar Elias“ von Mona Naggar, die im forumZFD Magazin, Ausgabe 02/18, S. 10-13 erschienen ist.

„Basmeh & Zeitooneh“ wurde im September 2012 gegründet und ist eine seit 2014 offiziell im Libanon registrierte Nichtregierungsorganisation. Mit dem Ziel, syrische Geflüchtete zu unterstützen, war sie von Beginn an in der humanitären Hilfe aktiv. Heute engagiert sich „Basmeh & Zeitooneh“ mit über 100 Festangestellten in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur für vom Konflikt betroffene Menschen aus Syrien und Libanon. Mehr über die ZFD-Partnerorganisation „Basmeh & Zeitooneh“ erfahren Sie über ihre Facebook-Seite.