Kolumbien: Mehr als ein Preis

26.10.2017

Zwei vom ZFD begleitete Organisationen aus Kolumbien gewinnen den Menschenrechtspreis Premio Defensa DDHH. Ihr lebensgefährliches Engagement bekommt damit vor allem eines: mehr Aufmerksamkeit. Genau das, was sie wirkungsvoll schützt.

Enrique Chimonja Coy, von der Ökumenischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (CIJP), gewinnt in der Kategorie „Verteidiger des Jahres“. Er unterstützt in seiner Arbeit vertriebene Gemeinden im Valle del Cauca bei der Rückkehr auf ihr Land und bei der Errichtung humanitärer Zonen. Er führt Strafprozesse gegen die Enteignung von Land und gegen die in Kolumbien weitverbreitete Straflosigkeit. Der ZFD begleitet Enrique Chimonja Coy und das Team von CIJP seit vielen Jahren bei ihrer Arbeit in den ländlichen Regionen Kolumbiens.

Die vom ZFD begleitete Organisation Credhos setzt sich seit 1987 für die Verteidigung von Menschenrechten und Demokratie vor allem in der Region Magdalena Medio ein. Genau dafür steht auch der vollständige Name: Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (dt.: Regionale Körperschaft zur Verteidigung der Menschenrechte). Zur Arbeit von Credhos gehört die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen, Workshops in vernachlässigten und entlegenen Gemeinden sowie die Rechtsberatung für Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Credhos wurde mit dem Preis in der Kategorie „Erfahrung und gemeinschaftlicher Prozess des Jahres“ gewürdigt.

Der „Nationale Preis für die Verteidigung der Menschenrechte in Kolumbien“ (Premio Nacional a la Defensa de los Derechos Humanos en Colombia) wird seit 2012 jährlich in vier Kategorien verliehen. Diakonia-Colombia und die schwedische Kirche würdigen damit Personen und Organisationen, die sich trotz aller Widrigkeiten für die Menschenrechte in Kolumbien stark machen.

Am 19. September wurden die vier Gewinner von 2017 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Bogotá prämiert. Insgesamt standen 16 Finalistinnen und Finalisten zur Auswahl, darunter gleich vier vom ZFD begleitete Organisationen. Zwei von ihnen, Credhos und Enrique Chimonja Coy für CIJP wurden für ihre Arbeit ausgezeichnet. Die beiden weiteren Preisträgerinnen sind Socorro Aceros Bautista, die für ihr Lebenswerk, den unermüdlichen Einsatz für Opfer- und Menschenrechte, geehrt wurde, sowie die Fraueninitiative Asociación Sütsuin Jiyeyu Wayuu.

Doch letztlich geht es nicht darum zu gewinnen. Es geht um Anerkennung, die Mut machen soll, trotz der Bedrohungen am Ball zu bleiben. Es geht weniger um die Auszeichnung, als vielmehr um Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist für all jene 71, die nominiert wurden, wie ein kleines Schutzschild. Denn wer sich in Kolumbien für die Menschenrechte einsetzt, läuft Gefahr, bedroht, vertrieben, verhaftet oder ermordet zu werden. Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger (MRV) werden gezielt angegriffen.

Auch wenn die Gewalt in Kolumbien mit dem Friedensabkommen zwischen kolumbianischer Regierung und der größten Guerillagruppe seit 2016 abgenommen hat. An der Gefährdung von MRV hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Während die Zahl der Toten infolge bewaffneter Auseinandersetzungen massiv gesunken ist, wächst die Zahl der Morde an MRV. Umso wichtiger ist es, sie zu unterstützen und zu schützen. Umso wichtiger, dass auch die internationale Aufmerksamkeit ihre wachsamen Augen und schützenden Hände auf sie richtet.

Der Zivile Friedensdienst unterstützt die Arbeit bedrohter Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger in Kolumbien, zum Beispiel indem er die Mitarbeitenden von Credhos und CIJP auf ihren Wegen begleitet. Der ZFD ist aktuell mit 22 Fachkräften in Kolumbien aktiv. Sie unterstützen dort viele Projekte zur Aufarbeitung der gewaltvollen Vergangenheit, zur Versöhnung und zur Menschenrechtsarbeit.

Mehr über die Arbeit in Kolumbien erfahren Sie in unserer Projektdatenbank und in unserem Dossier Gewaltprävention.

Weitere Informationen über die Preisträgerinnen und Preisträger sowie die Nominierten finden Sie hier (auf Spanisch).

Die Preisverleihung kann auf der Facebook-Seite des Premio Defensa DDHH angeschaut werden (auf Spanisch, Übertragung startet erst ab der 36. Minute).

 

Foto: Premio Nacional a la Defensa de los Derechos Humanos en Colombia