Kolumbien: Geteilte Last, geweitete Perspektiven

Wie umgehen mit einer gewaltvollen Vergangenheit, die längst noch nicht Geschichte ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines internationalen Workshops des ZFD und seiner kolumbianischen Partner Ende März in Bogotá.

Unter dem Motto „Erinnerung, Wahrheit, Gerechtigkeit – zum Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit“ wurden Ansätze und Methoden reflektiert, wie Gewalterfahrungen aufgearbeitet und Versöhnung erlangt werden können. Dabei wurde der Fokus auf den Dialog zwischen Opfern, Tätern und Friedensakteuren gerichtet.

Die Workshop-Teilnehmenden waren aus verschiedenen Ländern zusammengekommen, um aus der Situation Kolumbiens und von den dortigen Friedensakteuren Anregungen für die eigene Arbeit zu gewinnen. Unter den Teilnehmenden waren zahlreiche ZFD-Fachkräfte und Vertreterinnen und Vertreter ihrer Partnerorganisationen aus Timor Leste, Liberia, Kenia, Burundi und dem Gastgeberland Kolumbien. Organisiert wurde der Workshop vom ZFD-Träger Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e. V. (AGEH) sowie ihren kolumbianischen Partnern Justitia et Pax und der Nationalen Versöhnungskommission (CNN), die Teil der kolumbianischen Bischofskonferenz ist.

Eine kurze Videodokumentation (englisch/spanisch) der Veranstaltung findet sich hier.


 

Am 7. Februar berichteten wir an dieser Stelle über das Engagement des ZFD in Kolumbien bei der Bearbeitung von Landkonflikten und über das Projekt „Friedensschulen“. Anlass des Beitrags war der Start der Verhandlungen zwischen kolumbianischer Regierung und der Guerillagruppe ELN.

Bislang konnte kein Waffenstillstand erzielt werden. Auch das Ausmaß der Gewalt hat nicht abgenommen. Im Gegenteil: Am 19.2. verübte die ELN einen Bombenanschlag in Bogotá, bei dem 26 Menschen schwer verletzt wurden. Darüber hinaus weitet sie ihren Einflussbereich teilweise weiter aus, dort, wo einst die FARC das Sagen hatte. Auch das kolumbianische Militär geht weiterhin gegen die ELN vor. In vielen Regionen treten zudem wieder verstärkt Paramilitärs auf.

Somit ist nicht nur der Ausgang der Verhandlungen ungewiss, sondern auch die Aussicht auf Frieden weiterhin getrübt. Terror und Gewalt lasten ungebrochen auf den Menschen in Kolumbien. Die verheerenden Überschwemmungen und Erdrutsche Anfang April, bei denen über 280 Tote zu beklagen sind, haben das Land zusätzlich erschüttert. Kolumbien kommt nicht zur Ruhe. Das Leid von 50 Jahren Bürgerkrieg ist noch nicht vorbei und der Weg in Richtung positiver Veränderung bleibt steinig. Umso wichtiger, dass wir uns weiterhin engagieren.

Der ZFD ist seit über 15 Jahren in Kolumbien aktiv. Aktuell sind über 20 Fachkräfte vor Ort. Mit ihren Partnerorganisationen arbeiten sie daran, Traumata zu lindern, Gerechtigkeit voranzubringen, Versöhnung zu ermöglichen, Konfliktursachen zu beseitigen und zivile Konfliktbearbeitung zu verbreiten. Alles in allem: Den Frieden von innen und von unten zu fördern.

Unseren Beitrag „Kolumbien: Auf dem Weg zum Frieden?“ vom 7. Februar 2017 erreichen Sie hier.

 

Das Abschlusskommuniqué zum internationalen Workshop in Bogotá finden Sie hier (englisch):