Kenia: Frieden auf Sendung – gegen die Gewalt

4.5.2017

„Kenya Community Media Network“ ist neuer Partner des ZFD in Kenia. Das Ziel der Zusammenarbeit: Mit Lokalradios Frieden stiften, indem sie Spannungen in der Gesellschaft abbauen anstatt anzuheizen.

Das Radio ist das wichtigste Informationsmedium in Kenia, wesentlich verbreiteter als Fernsehen und Zeitung. Als es im Zuge der Wahlen von 2007 über Wochen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit bis zu 1.500 Toten und über 600.000 Binnenvertriebenen kam, spielte auch das Radio eine Rolle. Radio kann manipulieren, aufwiegeln und zu Gewalt anstacheln. Radio kann aber auch zur Entspannung beitragen. Ein ausgewogenes, konfliktsensibles Programm kann Vorurteile abbauen und gegenseitiges Verständnis fördern. Hier setzt das Projekt „Umoja Radio for Peace“ an, das der ZFD und das „Kenya Community Media Network“ (KCOMNET) gemeinsam entwickelt haben. Der Name ist Programm: „Umoja“ ist das Swahili-Wort für Einheit und Harmonie. Es geht darum, Lokalradios zu Instrumenten der Versöhnung und des Friedens auszubauen.

Journalistinnen und Journalisten werden dabei unterstützt, ihr Handeln zu reflektieren, damit sie mit Ihrer Berichterstattung und Programmauswahl Spannungen abbauen, anstatt Konflikte anzuheizen, damit sie aufklären und nicht vertuschen, damit sie ermutigen und nicht einlullen. All das kann helfen, der in Kenia weit verbreiteten ethnischen Polarisierung entgegenzuwirken, die immer wieder zu gewaltsame Auseinandersetzungen führt. Konflikte entzünden sich meist am Zugang zu natürlichen Ressourcen. Nicht selten werden die Auseinandersetzungen durch machtpolitische Interessen angeheizt. Durch die anhaltende Dürre gekoppelt mit einer massiven Nahrungsmittelknappheit hat sich der Druck gegenwärtig potenziert. Es steht zu befürchten, dass die im kommenden August anstehenden Wahlen ebenfalls mit Gewaltausbrüchen einhergehen werden.

Im November und Dezember 2016 fanden in Nairobi die ersten gemeinsamen Workshops des ZFD und mit seiner neuen Partnerorganisation KCOMNET statt. Dabei wurde eine Trainingsagenda für 2017 verabschiedet: Mit insgesamt 22 Community-Radios wird im laufenden Jahr die Zusammenarbeit ausgebaut. Konfliktsensibler Journalismus und gewaltfreie Kommunikation (in scharfem Kontrast zu den verbreiteten „Hate Speeches“) werden die zentralen Themen sein. Bürgerbeteiligung, interaktive Formate, Vernetzung und Einkommenssicherung kommen als weitere Module hinzu. Ende Februar wurde nun in Kooperation mit KCOMNET und der Konrad-Adenauer-Stiftung der erste Workshop mit Journalistinnen und Journalisten aller 22 Lokalradios veranstaltet. Für Mai ist die nächste Tagung geplant – diesmal sogar mit über 40 Radiosendern. Erklärtes Ziel ist, dass die Radioschaffenden bereits im Vorfeld und im Zuge der anstehenden Wahlen ihre konfliktentschärfende Wirkung entfalten können.

Das Netzwerk KCOMNET wurde 2002 gegründet. Seitdem stärkt die Non-Profit-Organisation zahlreichen Lokalradios mit Trainings und Lobbyarbeit den Rücken, landesweit in allen 47 Bezirken. Passend zum Projektstart von „Umoja Radio for Peace“ hat KCOMNET auch seinen Webauftritt http://kcomnet.org überarbeitet. Durch die Kooperation mit KCOMNET wird das Engagement des ZFD in Kenia um die Facette des Friedensjournalismus bereichert. Gegenwärtig arbeiten über 20 Fachkräfte im Land. Mehr über die Arbeit des ZFD in Kenia erfahren Sie in unserer Projektdatenbank.

Aktuelle Meldungen finden Sie auf der Facebook-Seite des ZFD in Kenia.