Kambodscha: Der Wert der Erinnerung

5.4.2018

Das Tuol Sleng Genocide Museum in Phnom Penh gedenkt der Opfer der Roten Khmer. An dem Ort befand sich einst eine Schule, in der zwischen 1975 und 1979 über 15.000 Menschen inhaftiert wurden. Ab sofort präsentiert sich das Museum auch im Internet. Die Webseite www.tuolsleng.gov.kh zeigt die Vergangenheitsarbeit der Gedenkstätte in vier Sprachen.

Als die Roten Khmer 1975 die Macht übernahmen, funktionierten sie die Schule Tuol Svay Prey in der Hauptstadt Phnom Penh zum Folterzentrum um und nannten es „S-21“. Mehr als die Hälfte der über 15.000 Gefangenen, Männer, Frauen und Kinder, wurde ermordet. Heute beherbergt der grausame Ort ein Museum, ist Gedenkstätte und Ort der Begegnung. Auch ein Klassenraum wurde eingerichtet. So wird die ehemalige Schule heute wieder für pädagogische Zwecke genutzt, als Schule der Erinnerung.

„Mein Ziel ist es, dass Besucherinnen und Besucher des Museums verstehen, was hier in S-21 passiert ist, damit so etwas nie wieder geschieht: dass unschuldige Menschen, darunter Kinder, eingesperrt, gefoltert und ermordet werden“, sagt der Direktor des Museums Chhay Visoth. Die Gäste des Museums sollen motiviert werden, zu Botschafterinnen und Botschaftern des Friedens zu werden.

Mit der soeben veröffentlichten Webseite www.tuolsleng.gov.kh wird die Vergangenheitsarbeit des Museums nun auch online sichtbar. Der Internetauftritt überzeugt durch eine übersichtliche Struktur, ein modernes Webdesign in Kombination mit informativen Inhalten und eindrucksvollen Fotografien. Das Online-Angebot ist zudem in vier Sprachen (Khmer, Deutsch, Englisch, Französisch) verfügbar – und wendet sich damit auch an die internationale Öffentlichkeit.

Das Tuol Sleng Genocide Museum begeht übrigens in wenigen Tagen, am 8. April, das Khmer New Year mit einer besonderen Zeremonie, um der Opfer des S-21-Gefängnisses zu gedenken. Die Zeremonie wird traditionell von buddhistischen Mönchen zelebriert. Besucherinnen und Besucher sind dazu herzlich eingeladen. Allen anderen sei ein Besuch der Website ans Herz gelegt.


Die Gräuelherrschaft der Roten Khmer wirft nach wie vor einen Schatten auf die kambodschanische Gesellschaft. Zwischen 1975 und 1979 starb etwa ein Viertel der Bevölkerung durch Zwangsarbeit, Hungersnöte, Folter und Mord. Eine Aufarbeitung dieser leidvollen Zeit fand lange Zeit nicht statt – weder juristisch noch gesellschaftlich. Der ZFD unterstützt seit 2008 seine Partner vor Ort in ihren Bemühungen, die Bewältigung der Vergangenheit voranzubringen. Auch um der Zukunft willen.

Das Tuol Sleng Genocide Museum beherbergt eine ständige Ausstellung über die Geschichte der Roten Khmer mit Schwerpunkt auf dem Gefängnis S-21. Darüber hinaus werden temporäre Ausstellungen gezeigt, die verschiedene Aspekte eingehender aufbereiten wie beispielsweise das Alltagsleben unter den Roten Khmer. Eine mobile Ausstellung für Schulen wurde ebenfalls entwickelt. Auch vor Ort ist die pädagogische Arbeit mit Schülerinnen und Schülern ein wesentlicher Schwerpunkt des Museums.

Ende Juli 2009 wurde das Archiv des Museums – bestehend unter anderem aus über 6.000 Biografien und Fotografien Gefangener – ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Das Tuol Sleng Genocide Museum wird seit mehreren Jahren vom Zivilen Friedensdienst (ZFD) unterstützt. Mehr über das Engagement des ZFD in Kambodscha erfahren Sie in unserer Projektdatenbank.