Guinea-Bissau: Frieden geht voran

12.7.2018

Vor kurzem war die Hauptstadt Bissau Schauplatz einer bunten Friedensparade: Elf überdimensionale Friedenstauben, zwei überlebensgroße Stelzenfiguren und über 200 Teilnehmende zogen vom Hafen zur Uni – und machten eindrucksvoll auf die Notwendigkeit gewaltfreier Konfliktbearbeitung aufmerksam. Anlass der Parade war die anschließende Vollversammlung des nationalen Friedensforums.

Die ZFD-Partnerorganisation GTO-Bissau (Grupo de Teatro do Oprimido / Gruppe des Theaters der Unterdrückten) hat in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Konflikt-Lotsen und Konflik-Lotsinnen in allen Teilen des Landes ausgebildet. Dadurch konnten elf regionale Friedensgruppen aufgebaut werden, in denen sich über 200 Menschen für die gewaltfreie Bearbeitung von Konflikten einsetzen. Aus den Reihen der Aktivistinnen und Aktivisten haben sich drei überregionale Fachgremien aus Juristinnen, Journalisten und Lehrkräften gebildet. Außerdem ist jede der elf Friedensgruppen mit je einer Frau und einem Mann im Friedensforum auf nationaler Ebene vertreten.

Am 8. April fand nun die zweite Vollversammlung des Friedensforums statt. Im Mittelpunkt stand der Austausch über „best practices“ in der Mediation auf lokaler Ebene. Die von GTO-Bissau und ZFD geschulten Friedensgruppen sind seit 2015 in 54 kommunalen Konflikten aktiv geworden. Ein Großteil der Konflikte konnte gewaltfrei bearbeitet werden.

Bevor die Vollversammlung in den Räumen der Universität „Amilcar Cabral“ tagte, zogen die Teilnehmenden mit einer eindrucksvollen Parade quer durchs Zentrum von Bissau. Mit Trommeln und Gesang machten sie lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam: Um den Frieden in Guinea-Bissau voranzubringen, braucht es gewaltfreie Konfliktbearbeitung. Absoluter Hingucker des Umzugs waren die überlebensgroßen Skulpturen, elf Friedenstauben und zwei Stelzenfiguren. Einen ganzen Monat hat das Organisationsteam mit Unterstützung der chilenischen Organisation „Edukarte Valparaíso. Arte y educación creativa“ an diesen Figuren gearbeitet.

Treffpunkt für die rund vier Kilometer lange Route war das Denkmal für die Opfer des Massakers vom 3. August 1959 am Hafen. Etwa 60 Menschen starben damals, als Soldaten einen Streik der Hafenarbeiter gewaltsam beendeten. In Guinea-Bissau formierte sich zu dieser Zeit eine Freiheitsbewegung, die sich gegen die Kolonialherrschaft Portugals richtete. Im Zentrum der Bewegung stand Amílcar Cabral (1924-1973), der im Land bis heute als Freiheitskämpfer und Begründer der Nation verehrt wird. So war eine der Stelzenfiguren auch dem „Landesvater“ Amílcar Cabral gewidmet (Foto vorne). Die andere Figur stellte die Fruchtbarkeitsgöttin Nimba als „Mutter Guiné“ dar (Foto hinten). Jede der elf Friedensgruppen trug außerdem eine überlebensgroße Friedenstaube mit sich.

Mit ihrer aufwendigen Friedensparade haben die Teilnehmenden einen lebendigen Eindruck hinterlassen. Sie haben deutlich gezeigt, dass in allen Regionen des Landes eine neue Generation angetreten ist, um eine Kultur des Friedens zu verbreiten. Im Anschluss an ihren ersten öffentlichen Auftritt in der Hauptstadt Bissau werden Mamá Guiné und Landesvater Cabral auf Tour gehen und ihre Botschaft ins ganze Land tragen.