Gegen Gewalt an Frauen

21.11.2018

Mindestens eine von drei Frauen wird im Laufe ihres Lebens geschlagen, vergewaltigt oder anderer Gewalt ausgesetzt. Der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November will darauf aufmerksam machen. Anlässlich des diesjährigen Aktions- und Gedenktags am kommenden Sonntag stellen wir ZFD-Projekte aus Guatemala, Kambodscha, Kenia, Nepal und dem Südsudan vor, die sich in besonderer Weise für ein Ende der Gewalt gegen Mädchen und Frauen starkmachen.

 

Schon in der UN-Menschenrechtscharta wurde 1948 die Gleichstellung der Geschlechter als Menschenrecht verankert: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, heißt es in Artikel 1. Die Realität sieht allerdings anders aus. Nicht nur, dass Mädchen und Frauen überall auf der Welt benachteiligt sind, ihre Würde wird oft mit Füßen getreten. Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen überhaupt.

Täglich erleiden Mädchen und Frauen psychische, physische und sexuelle Gewalt. Mindestens eine von drei Frauen weltweit wird im Laufe ihres Lebens geschlagen, vergewaltigt oder anderen Formen der Gewalt ausgesetzt. Andere Schätzungen gehen sogar davon aus, dass bis zu 70 Prozent aller Frauen betroffen sind. Die WHO benennt Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen weltweit. Für junge Mädchen ist Gewalt gar die häufigste Todesursache.

Der von den Vereinten Nationen 1999 offiziell anerkannte „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November will alljährlich auf diese eklatanten Missstände aufmerksam machen. Bereits seit 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen in Lateinamerika an diesem Tag Aktionen. Mittlerweile wird der Aktions- und Gedenktag weltweit begangen.

Auch der Zivile Friedensdienst setzt sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte und ein Ende der Gewalt gegen Mädchen und Frauen ein. Am 25. November und selbstverständlich auch darüber hinaus. Im Folgenden finden Sie fünf Beispiele aus der Arbeit des ZFD – jeweils mit Link zum Weiterlesen. Anschließend erfahren Sie, wieso und seit wann der 25. November zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ erklärt wurde.

Guatemala: Sexuelle Gewalt gegen Frauen in bewaffneten Konflikten ist in Nachkriegsgesellschaften meist ein Tabuthema, so auch in Guatemala. Das Schweigen aber verhindert Aufarbeitung und Gerechtigkeit. In Guatemala wurden während des 36-jährigen Bürgerkriegs tausende, insbesondere indigene Frauen Opfer sexueller Gewalt. Gerechtigkeit haben die wenigsten von ihnen erlangt. Die ZFD-Partnerorganisation ECAP gibt diesen Frauen eine Stimme. In Kooperation mit lokalen, nationalen und internationalen Organisationen kämpft ECAP um Gerechtigkeit für Frauen durch psychosoziale Beratung, Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie juristische Beratung. Ein grandioser Erfolg von ECAP: 2016 wurden erstmals zwei ehemalige hochrangige Militärs wegen sexueller Gewalt gegen Frauen zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Lesen Sie hier mehr über dieses historische Urteil.

Kambodscha: Etwa 250.000 Frauen wurden während der Khmer-Rouge-Diktatur zwischen 1975 und 1979 zwangsverheiratet. Sie wurden vergewaltigt und zu Schwangerschaften gezwungen und mussten andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt erleiden. Mit dem Projekt „Women and Transitional Justice in Cambodia“ verhilft der ZFD gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen weiblichen Überlebenden der Khmer-Rouge-Gräuel zu mehr Gerechtigkeit. Zentrale Bestandteile des Programms sind juristischer Beistand einschließlich der Begleitung vor Gericht sowie psychosoziale Beratung und Therapie. Lesen Sie in unserer Projektdatenbank mehr über die Arbeit in Kambodscha.

Kenia: „Einer Studie zufolge, werden 44 Prozent aller Mädchen in Kenia bis zu ihrem 15. Lebensjahr Opfer von Gewalt. Ich versuche, ihnen zu helfen, Traumata zu verarbeiten, sich besser zu schützen und ihre Peiniger zur Rechenschaft zu ziehen“, erzählt uns Maria Mutauta bei ihrem Besuch in Bonn. Die Menschenrechtsverteidigerin (MRV) ist eine von 15 „Toolkit Organisers“, einem vom ZFD initiierten und trainierten Netzwerk von MRV, die sich in den informellen Siedlungen Nairobis für die Rechte von Mädchen und Frauen einsetzen. Unerlässliche Grundlage ihrer Arbeit ist der gemeinsam erstellte „Werkzeugkasten“, das „Toolkit for Women Human Rights Defenders in Nairobi's Urban Settlements“. „Es ist schon bedrohlich genug, eine Frau in Kenia zu sein. Aber es ist noch sehr viel bedrohlicher als Menschenrechtsaktivistin“, ist das bittere Resümee von Maria Mutauta. Trotzdem lässt sie sich nicht entmutigen. Der Support durch den ZFD gibt ihr Halt und Sicherheit. Lesen Sie hier das bewegende Interview mit Maria Mutauta.

Nepal: Während des zehnjährigen Bürgerkriegs (1996-2006) wurden tausende Nepalesinnen vergewaltigt, verschleppt, ermordet. Tausende verloren ihre Eltern, Kinder oder Ehemänner. Bis heute werden sie nicht als Opfer anerkannt und haben kaum Aussicht auf Gerechtigkeit. Damals wie heute werden Frauen in Nepal gesellschaftlich an den Rand gedrängt. Damals wie heute sind sie Gewalt ausgesetzt, ohne sich effektiv wehren zu können. Der ZFD-Partner „The Story Kitchen“ will das ändern. Es geht nicht nur darum, dass Gewaltopfer erlittene Traumata verarbeiten lernen. Vielmehr sollen sie auch gestärkt für ihre Rechte eintreten können. Lesen Sie mehr über das kraftspendende Engagement von „The Story Kitchen“.

Südsudan: Nach Angaben von UNICEF haben mindestens 65 Prozent aller südsudanesischen Mädchen und Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt erlitten. Schätzungsweise 51 Prozent wurden Opfer häuslicher Gewalt. Die „Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ des Bistums Wau leistet mit Unterstützung des ZFD einen wichtigen Beitrag zu Aufarbeitung und Vorbeugung der massiven Gewalt im Land. Frauen werden in Workshops zu sexualisierter und geschlechtsspezifischer in ihrem Selbstbewusstsein und als Friedensakteurinnen gestärkt, damit sie sich effektiv gegen Gewalt und Missbrauch wehren und gesellschaftlichen Wandel anstoßen können. Lesen Sie hier mehr über die Arbeit der „Justice and Peace Commission“.


 

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen: Was steckt dahinter?

Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, auch „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ (engl. International Day for the Elimination of Violence against Women), findet jährlich am 25. November statt, um auf ein Ende der Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen hinzuwirken. Hintergrund des Gedenk- und Aktionstages ist die Ermordung der drei Schwestern Mirabal. Sie wurden am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik getötet, weil sie sich gegen den damaligen Diktator Rafael Trujillo zur Wehr setzten. 1981 wurde bei einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Frauenrechtlerinnen der 25. November zum Gedenktag für die Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt ausgerufen. 1999 haben die Vereinten Nationen diesen Tag als offiziellen internationalen Gedenktag anerkannt.

2008 rief der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zudem die Kampagne „UNiTE to End Violence Against Women“ ins Leben, um die internationalen Anstrengungen zur Prävention und Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen stärker voranzubringen. Vielerorts bildet der 25.11. seitdem den Auftakt für einen 16-tägigen Aktionszeitraum bis zum 10. Dezember, dem „Tag der Menschenrechte“. Motto der diesjährigen UNiTE-Kampagne ist #HearMeToo.