Fachaustausch zu Friedenspädagogik

4.10.2018

Derzeit findet der zweite internationale Fachaustausch des Zivilen Friedensdienstes statt. Inhaltlich geht es bei der viertägigen Veranstaltung um das Thema „Friedenspädagogik im Zivilen Friedensdienst“. Mehr als 30 Fachkräfte des ZFD und seiner Partnerorganisationen aus 16 Ländern, darunter Guinea-Bissau, Bolivien und Philippinen, sind dazu ins beschauliche Neudietendorf bei Erfurt gereist.

Friedenspädagogik ist eines der zentralen Themen im Zivilen Friedensdienst. „In den verschiedenen Ländern versuchen Partnerorganisationen durch ihre friedenspädagogische Arbeit in Schulen, Universitäten und in der Jugendarbeit, Lernräume für gewaltfreie Konfliktbearbeitung als Basis für gesellschaftlichen Wandel zu schaffen. Sie werden darin durch Fachkräfte des ZFD unterstützt“, erläutert Arne Kohls, Koordinator für Wissensmanagement beim Konsortium Ziviler Friedensdienst, den Stellenwert des Themas.

Die Teilnehmenden tragen vom 1. bis zum 4. Oktober unterschiedliche Arbeitsansätze zur friedenspädagogischen Arbeit zusammen und diskutieren darüber, welche Beiträge sie damit zur Friedensförderung in ihren Ländern leisten. „Mit dem Fachaustausch wollen wir auch die konkrete Rolle des ZFD reflektieren“, sagt Kohls. „Wie unterstützt der ZFD die friedenspädagogische Arbeit der Partnerorganisationen konkret in den einzelnen Ländern, und was wäre nötig, um diese Unterstützung noch zu verbessern?“

Ziel der Veranstaltung ist es, wesentliche Erfolgsfaktoren herauszuarbeiten und unterschiedliche Herausforderungen und Methoden zur Friedenserziehung auszutauschen. „Der Fachaustausch ermöglicht uns nicht nur persönliche Begegnungen, sondern auch das kollegiale Voneinanderlernen. Wir hoffen, dass sich länderübergreifend Beziehungen aufbauen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch nach der Veranstaltung im Austausch stehen“, so Kohls.

Die Teilnehmenden aus den Partnerorganisationen reisten teilweise mit konkreten Erwartungen an: „Von meiner Kollegin aus Bosnien-Herzegowina möchte ich gern mehr darüber erfahren, welche Bildungsinhalte Eingang in die Curricula der Friedenserziehung gefunden haben, die sie dort in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium entwickelt haben. Mich interessiert auch, welche Phasen durchlaufen wurden, um Friedensbildung im formalen Bildungsbereich zu etablieren“, sagt beispielsweise Clarisse Lakoandé aus Burkina Faso.

Im Rahmen der Veranstaltung fand auch ein Ausflug nach Halle an der Saale statt. Beim dortigen „Friedenskreis Halle“ lernten die Teilnehmenden beispielhaft friedenspädagogische Arbeit in Deutschland kennen. Gemeinsam mit den hallischen Friedenskräften wurden Ähnlichkeiten und Unterschiede zur eigenen Arbeit diskutiert. Beide Seiten lernen so von einem praxisnahen Austausch.

Dass dieser Austausch für alle ein Gewinn ist, zeigte sich beispielsweise bei der Projektvorstellung „Gewaltfrei Streiten!“ vom Friedenskreis Halle. Das Projekt verfolgt das Ziel, in einem Stadtteil von Halle und einer Gemeinde in Sachsen-Anhalt ein konstruktives Miteinander in Vielfalt zu fördern. Dabei zeigte sich, dass auch die friedenspädagogische Arbeit in Deutschland angesichts zunehmender Polarisierung vor großen Herausforderungen steht. Dazu bemerkte ein Teilnehmer aus Mali: „Deutschland war immer ein Rollenmodell für mich. Nachdem, was ich heute erfahren habe, gibt es auch hier nicht immer nur Antworten. Vielleicht können wir dabei unterstützen, Antworten zu finden."

Der internationale Fachaustausch des Zivilen Friedensdienstes findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. 2017 trafen sich 40 Teilnehmende aus zwölf Ländern zum Thema Vergangenheitsarbeit in Berlin. Wir berichteten darüber am 19. Oktober 2017.


Erfahren Sie mehr über Friedenspädagogik im ZFD:

In zahlreichen Projekten bildet Friedenspädagogik einen wesentlichen Schwerpunkt des Engagements. Hier finden Sie eine Übersicht über diese Projekte weltweit.

Darüber hinaus stellt unsere Publikationsdatenbank eine Vielzahl an Dokumenten zum Thema zum kostenlosen Download bereit. Mithilfe der Suchmaske lasen sich dort weitere Auswahlkriterien festlegen (wie zum Beispiel ein konkretes Land oder die Art des Mediums).