Corona-Pandemie: Doppelte Plage

16.9.2020

Seit Ende 2019 ziehen riesige Heuschreckenschwärme über weite Teile Ostafrikas. In Nullkommanichts fressen sie Felder und Weiden kahl. Die FAO warnt vor einer Hungersnot. Mit COVID-19 hat sich die Lage der Menschen weiter verschlechtert. Im Norden Kenias setzt sich ZFD-Partner IMPACT für die besonders arg betroffenen indigenen Hirtengemeinschaften ein.

Seit Beginn der Heuschreckenplage im Dezember 2019 wurden in Ostafrika viele Millionen Hektar Weideland und Ackerflächen verwüstet. Die ohnehin angespannte Lebensmittelversorgung hat dadurch katastrophale Ausmaße angenommen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wirbt seit März 2020 um Hilfsgelder in Höhe von rund 140 Millionen Euro, um eine Hungersnot in den am stärksten befallenen Ländern zu verhindern. Die Plage hatte zuerst Äthiopien, Kenia und Somalia erreicht, mittlerweile sind in Ostafrika auch Djibouti, Eritrea, Südsudan, Tansania und Uganda betroffen. Die Folgen für die Lebensmittelversorgung sind schon jetzt spürbar. Ernten bleiben aus, Weideflächen fehlen, die Preise für Nahrungsmittel und Tierfutter steigen, während vielen Menschen die Einkommensgrundlage genommen wurden.

COVID-19 hat die Lage vielerorts verschärft

Mit Ausbreitung der COVID-19-Pandemie hat sich die Situation für die Menschen weiter verschlechtert. Vor allem die Ausgangssperren erschweren die Lage wie ein Blick nach Nordkenia zeigt. Eigentlich leben die dort umherziehenden Viehzüchter und Viehzüchterinnen mit und von ihrem Vieh. Um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, hatte die Regierung Ausgangssperren erlassen und Viehmärkte geschlossen. Ohne diese Märkte jedoch standen die sogenannten Pastoralisten ohne Einkommen da und konnten sich folglich keine Grundnahrungsmittel mehr leisten. Auch wenn die Ausgangssperren inzwischen gelockert wurden, sind viele Hirtenfamilien im Norden Kenias durch die Invasion der Heuschrecken und die Corona-Pandemie ernsthaft bedroht. Alternative Einkommensströme wie etwa der Ökotourismus sind durch das Virus ebenfalls zum Erliegen gekommen. Nach Angaben der ZFD-Partnerorganisation IMPACT sind so fast sechs Millionen indigene Viehzüchterinnen und -züchter vom Hungertod bedroht. Der Mangel an Nahrungsmitteln bildet zudem einen zusätzlichen Nährboden für Konflikte innerhalb und zwischen den Gemeinschaften.

ZFD-Partner IMPACT hilft, die Krise zu bewältigen, um weitere Krisen zu verhindern 

IMPACT steht für „Indigenous Movement for Peace Advancement and Conflict Transformation“ („Indigene Bewegung für Friedensförderung und Konflikttransformation“). Seit 2002 setzt sich die Stiftung für die indigenen pastoralen Gemeinschaften in Nordkenia ein. Erklärtes Ziel ist die tiefgreifenden Ursachen von Konflikten, Armut wie auch sozialer und politischer Ausgrenzung der mobilen Viehzüchterinnen und -züchter anzugehen. In der akuten Doppel-Krise verstärkt IMPACT das Engagement in der Region – und leistet zwecks Krisenbewältigung auch gesundheitliche Aufklärung und Nothilfe. Besonders gefährdete Familien erhalten Masken, Seifen, Desinfektionsmittel und Lebensmittelpakete. IMPACT klärt sie auch darüber auf, wie sie sich schützen und eine Ansteckung mit und eine Verbreitung von COVID-19 verhindern können. Aus eigenen Mitteln konnte IMPACT bereits 100 Lebensmittelpakete an gefährdete ältere Menschen ausliefern. Jedes Paket reicht für eine drei- bis fünfköpfige Familie bis zu vier Wochen lang. Um weitere Familien unterstützen zu können, wirbt IMPACT international um Spenden. Ziel ist es, mehr als 135.000 Menschen in der Region mit Informationen, lebenswichtigen Gütern und Desinfektionsmitteln versorgen zu können.

Neben den akuten Herausforderungen verfolgt IMPACT aber auch die eigentlichen Ziele der Arbeit weiter. Die Region wird regelmäßig durch gewaltsame Auseinandersetzungen um Land und Ressourcen erschüttert. Wasser, Acker- und Weideland sind knapp, das Konfliktpotenzial steigt stetig an. Mit groß angelegten Infrastrukturprogrammen versucht die kenianische Regierung die wirtschaftliche Entwicklung der Region anzukurbeln. Konflikte werden dadurch aber teilweise verschärft, weil für eben diese Programme Landflächen vereinnahmt werden. Gespräche zwischen Konfliktparteien, Dialogforen zwischen Gemeinden und Politik wie auch Schulungen von Gemeindemitgliedern tragen dazu bei, Konflikte in Richtung eines gemeinschaftlichen Ressourcenmanagements zu wenden. Seit Anfang September können zu diesem Zweck auch die Aktivitäten in den Gemeinden vor Ort wieder intensiviert werden. Davon können Sie sich auf dem IMPACT-Facebook-Profil überzeugen. 


IMPACT wurde 2001/2 gegründet. Seit 2019 ist die Stiftung Partnerorganisation des ZFD. Bereits zuvor bestanden Kontakte über die gemeinsame Partnerorganisation „Isiolo Peace Link“ (IPL). IPL und IMPACT veranstalten einmal jährlich zusammen die sogenannte „Camel Caravan Campaign“. Mit dieser Aktion werben sie für eine konstruktive Bearbeitung bestehender und sich verschärfender Ressourcenkonflikte in der Region. Mehr über die Kamelkarawane lesen Sie in unserem Beitrag Kenia: Wasser des Lebens.

Fotos: IMPACT („Indigenous Movement for Peace Advancement and Conflict Transformation“), Quellen: IMPACT, WFD