Bosnien und Herzegowina: Aussöhnung mit der Vergangenheit

7.6.2018

Bei der internationalen Konferenz “Reconciling Histories!?” Mitte Mai in Sarajevo ging es um die Möglichkeiten ziviler Friedensarbeit, gewaltvolle Vergangenheit aufzuarbeiten. Unter den Teilnehmenden waren Friedenaktivisten, Journalistinnen, Friedensforscher und Historikerinnen aus 14 Ländern. Die Konferenz wurde vom Centre for Nonviolent Action mit Support des ZFD auf die Beine gestellt.

„Um voranzukommen, ist es wichtig, zurückzublicken und zu verstehen, was mit uns passiert ist,“ brachte Politikwissenschaftlerin Martina Fischer in ihrem Impulsreferat die Relevanz des Konferenzthemas auf den Punkt. Die Friedensforscherin arbeitet seit über zwanzig Jahren zum Schwerpunkt „Vergangenheitsbewältigung in Nachkriegsgesellschaften“.

Die Teilnehmenden wissen, wovon die Rede ist. Allesamt waren sie aus Ländern mit Kriegs- und Nachkriegsgeschichte angereist. Sie kamen aus Indien, Sri Lanka, den Balkanländern, der Ukraine und Georgien sowie aus verschiedenen westeuropäischen Ländern, darunter Großbritannien und Deutschland. Allesamt engagieren sie sich im Kontext Friedensförderung durch Aufarbeitung der Vergangenheit.

Im Rahmen der dreitägigen Konferenz wurden Erfahrungen ausgetauscht, eigenes Handeln reflektiert und Stolpersteine diskutiert. Inhaltlich ging es dabei vor allem um die schwierige Suche nach Gerechtigkeit, die Rolle historischer Mythen und gängiger Narrative im Versöhnungsprozess wie auch die Bedeutung und Grenzen gewaltfreier Aktion. Neben Martina Fischer (Deutschland) standen Marina Elbakidze (Georgien), Diana Francis (Großbritannien), Budimir Ivanišević (Serbien), Albulena Karaga (Mazedonien), Edin Ramulić (Bosnien und Herzegowina) und ZFD-Fachkraft Narasingham Ponnampalam (Sri Lanka) als "Keynote Speakers" auf dem Programm.

„Ein wesentliches Ziel der Konferenz war es, den Teilnehmenden einen Raum für Reflektion und Austausch zu bieten“, sagt Nenad Vukosavljević vom Centre for Nonviolent Action, „in der Hoffnung, dass diese Vernetzung zu mehr Empowerment führt, weil die internationale Solidarität und das Lernen von- und miteinander etwas ist, was uns stärker macht.“

Gemeinsam besuchten die Teilnehmenden auch die Gedenkstätten in Zavidovići (Bosnien und Herzegowina), wo im Bosnienkrieg zahlreiche Zivilisten und Soldaten starben. Hier trafen sie auf eine Veteranengruppe mit ehemaligen Kämpfern beider Seiten, die sich heute in der Friedensarbeit engagieren. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass Hass und Vorurteile durch Versöhnungsarbeit überwunden werden können.

Die Konferenz hat ihre Ziele erreicht, wie Albulena Karaga von der mazedonischen Friedensorganisation „Peace Action“ bestätigt: „Leute sollten Anerkennung für ihre Arbeit erhalten, und auch Anregungen und Empowerment. Das habe ich hier gefunden.“

Davorka Turk vom Centre for Nonviolent Action ergänzt: „Diese Konferenz war auch wichtig für unsere Region, weil sie uns gezeigt hat, dass wir nicht allein sind mit den Problemen, vor denen wir stehen und unseren Anstrengungen, sie zu überwinden.“

Ein kurzes Video (6:46 Minuten, Englisch) zur Konferenz steht hier auf der Webseite des Centre for Nonviolent Action Sarajevo/Belgrade bereit.