Aus der Arbeit des ZFD

Caravanamani: Fußball bringt Menschen zusammen

Caravanamani – Friedenskarawane. Dieser wohlklingende Name steht für ein ehrgeiziges, anstrengendes und nicht ganz ungefährliches Unternehmen. Es startete im Dezember 2009 in Kopenhagen und ging im Juni 2010 in Johannesburg zu Ende. Caravanamani will die Auswirkungen des Klimawandels auf den Alltag der Menschen im östlichen Afrika anschaulich machen. Die Themen der Weltklimakonferenz 2009 in Kopenhagen wurden mit Jugendlichen vor Ort und in zehn europäischen und afrikanischen Ländern diskutiert und anschließend in das Rahmenprogramm der Fußballweltmeisterschaft eingebracht. Das ist das Ehrgeizige an der Friedenskarawane. Anstrengend und riskant ist sie, weil die Reise auch durch Regionen führt, in denen die Sicherheit für die Friedensaktivisten nur bedingt gewährleistet ist.

Verantwortlich für das Projekt ist die Entwicklungsorganisation „Espérance“ aus Ruanda, die dabei vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED) unterstützt wird. Kopf der Karawane ist Doudou Kalala. Der 35-jährige Jurist stammt aus dem Kongo. Er lebt in der ruandischen Hauptstadt Kigali und engagiert sich seit vielen Jahren im dortigen Jugendzentrum „Maison des Jeunes Kimisagara“. Das wird seit 2002 vom Zivilen Friedensdienst in Ruanda dabei unterstützt, sich zu einem Zentrum für Friedensförderung und Konfliktbearbeitung in der Region der Großen Seen zu entwickeln.

Mit Fußballpädagogik gegen Konflikte

Doudou Kalala hat nicht nur das Programm der Friedenskarawane ausgearbeitet, sondern auch das sechsköpfige Team aus Künstlern, Sportlern und Friedensaktivisten zusammengestellt. Mit dabei sind Esperance-Gründer Donatien Nsengimana, die Sportpädagogin Pascasie Uwitonze, der Theaterexperte Geresom Mayanja aus dem ungandischen Kampala und die Friedensaktivistinnen Cecilia Lubanga und Fatuma Abdulkadir aus Kenia. Letztere ist die Gründerin der „Horn of Africa Development Initiative (HODI)“, die seit Jahren Fußballpädagogik zur Konfliktbearbeitung nutzt. „Nur der Fußball schafft es, die verfeindeten Stämme Nordkenias zusammenzubringen, insbesondere die jungen Männer unter ihnen,“ erläutert die 32-jährige Muslimin aus dem nordkenianischen Städtchen Marsabit ihre ungewöhnliche Methode. „Auf dem Fußballplatz treffen sie sich, nähren sich einander an und tauschen sich aus. Der Fußballplatz ist der Grund, auf dem sie lernen, ihre Konflikte gewaltfrei auszutragen.“

Kicken mit somalischen Flüchtlingen

Mit dieser Philosophie flog das Caravanamani-Team im März 2009 nach Berlin, um von dort aus in 40 Tagen nach Kigali zurückzureisen. Nach Gesprächen im Bundesentwicklungsministerium und in der DED-Bildungsstelle diskutierte das Team mit Schülerinnen und Schülern der Nelson-Mandela-Gesamtschule und im Kreuzberger Jugendzentrum „Wasserturm“ über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf Ostafrika. Dann ging es nach Stuttgart zum Verein „Kickfair“, seit drei Jahren ein Partner von Espérance. Die nächsten Stationen auf dem Weg nach Süden waren Begegnungen mit afrikanischen Bootsflüchtlingen in Italien und auf Malta. Dort sorgte der Fußball für einen emotionalen Höhepunkt: Im „Open Centre“ des „Catholic Refugee Service“ in La Valletta wurden Doudou, Fatuma und Co. von somalischen Flüchtlingen zum gemeinsamen Kicken eingeladen.
Per Schiff auf dem afrikanischen Kontinent angekommen, bewegte sich die Karawane auf dem Landweg weiter: über Kairo, Assuan und die sudanesische Hauptstadt Khartum in Richtung Kenia. In Fatumas Heimatregion machte das Caravanamani-Team einige Tage halt, um an einem von HODI organisierten Fußballturnier an der äthiopischen Grenze mitzuwirken. Gerade dort, im Herzen des ostafrikanischen Rift Valley, sieht Doudou Kalala seine Idee am deutlichsten verwirklicht: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir den Klimawandel nicht mehr rückgängig machen können, auch nicht durch das beste Ressourcenmanagement. Stattdessen müssen wir lernen, auf die Veränderungen so zu reagieren, dass daraus keine bewaffneten Konflikte oder Kriege entstehen. Denn davon werden die ausgedörrten Landschaften erst recht nicht fruchtbar.“ Diese Erkenntnis ist es, die das Caravanamani-Team zur Fußball-WM nach Südafrika mitnimmt, um sie dort vorzustellen und zu diskutieren.
Espérance-Chef Donatien Nsengimana ist überzeugt davon, dass Johannesburg der festliche Höhepunkt des Caravanamani-Projekts wird. Doch er weiß auch, dass die Arbeit danach weiter geht: „Die Fußballweltmeisterschaft bietet uns eine wunderbare Gelegenheit, Afrika zu feiern. Gleichzeitig wollen wir aber einen klaren Kopf bewahren, um in Nord und Süd neue Partnerschaften aufzubauen. Denn wenn das Endspiel am 11. Juli abgepfiffen ist, geht das Leben auf unserem Kontinent weiter, und wir wollen die Chance nutzen, durch die WM auf die Herausforderungen der Zukunft besser eingestellt zu sein.“