Portraits

Silke Studzinsky: Deutsche Anwältin am Rote-Khmer-Tribunal

Silke Studzinsky anlässlich ihrer Vereidigung vor dem Appeal Court in Phnom Penh
Silke Studzinsky anlässlich ihrer Vereidigung vor dem Appeal Court in Phnom Penh

Als das Tribunal, das über die Hauptverantwortlichen des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha richten soll, im Jahr 2006 seine Arbeit aufnimmt, sind mehr als 25 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer vergangen. Dieses Gericht („Extraordinary Chambers of the Courts of Cambodia“, kurz ECCC) und die Grundlagen seiner Rechtsprechung sind das Ergebnis von zähen Verhandlungen zwischen den Vereinten Nationen und der kambodschanischen Regierung. „Es ist das erste Gericht, das über Massenverbrechen urteilt, in dem Opfer eine prozessuale Rolle als Nebenklägerinnen oder Nebenkläger einnehmen. Das könnte Modellcharakter für andere Tribunale haben“, erklärt Silke Studzinsky, ZFD-Fachkraft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Koordinator Dr. Desire Nzisabira setzt auf Zusammenarbeit im ZFD in Uganda

Desire Nzisabira mit seinen Kollegen Alfred Avuni (rechts) und Samuel Kintu
Desire Nzisabira mit seinen Kollegen Alfred Avuni (rechts) und Samuel Kintu

Kooperation statt Konkurrenz

Von wie viel Geld lebt eigentlich ein Mensch, der im Slum wohnt, mit welchen Berufen wird dieses Geld verdient und wie viele Angehörige müssen ebenfalls von diesem Einkommen leben? Die Antworten liegen keineswegs im Nebulösen, sagt Desire Nzisabira, ZFD-Koordinator und Friedensfachkraft der AGEH in Uganda. Auf wissenschaftlicher Basis werden diese Fragen vom Jean-Paul II Justice&Peace Center in Kampala erforscht. An diesen Studien ist Desire Nzisabira neben der ZFD-Koordination zu 20 % beteiligt. Der Jurist mit Doktortitel hat europäisches Recht mit dem Schwerpunkt Menschenrechte studiert. Der Schwerpunkt des Centers liegt auf Forschung und Dokumentation im Bereich von Frieden, Gerechtigkeit, Menschenrechten, Demokratie und Würde des Menschen. Neben der Forschung ist Lobbyarbeit und Stärkung der Menschen, die in Slums leben, eine weitere Aufgabe des Zentrums. Friedliches Zusammenleben hängt auch von Zukunftsperspektiven und Wissen um die eigenen Rechte ab. Deshalb werden Aufklärung über Bürgerrechte, die Ausbildung von Streitschlichtern an Schulen oder Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche Slumbewohner, um der Armut zu entkommen, angeboten.

Claus Schrowange: Das Rafiki-Theater spricht über Gewalt

Claus Schrowange und die Rafikileute beim Abschiedsritual
Claus Schrowange und die Rafikileute beim Abschiedsritual

In Uganda spielt die Theatergruppe Rafiki um AGEH-Fachkraft Claus Schrowange Szenen, die sexuelle Gewalt in Schulen oder Zuhause thematisieren. Das Spiel löst hinterher leidenschaftliche Diskussionen aus, die zum Konzept von Rafiki gehören.

Mit Theater lässt sich die Gesellschaft verändern und Zukunft gestalten. Davon war der Brasilianer Augusto Boal, Erfinder des „Theater der Unterdrückten“ überzeugt. Und das treibt auch die ugandische Theatertruppe Rafiki (in Kiswahili: Freund) mit Claus Schrowange an, die Boals Methode anwendet. Er lebt seit November 2009 mit Familie in Kampala und gründete mit Schauspielern, Studenten und Laien die Theatergruppe, die sich für Gewaltfreiheit und Entwicklung engagiert. Schrowange ist beim East African Institute of Governance and Conflict Management in Kampala angestellt. Das Institut engagiert sich für Frieden, Menschenrechte und die Stärkung der Zivilgesellschaft. Schrowange, ein Sozialarbeiter im Zivilen Friedensdienst, hat viel Erfahrung in interkultureller Zusammenarbeit und Theaterarbeit. Neben Boal beeinflussen Poor-Theater und Improvisationstheater die Arbeit von Rafiki. Gesellschaft mittels Theater umgestalten, kann das gehen? Ist das nicht der alte Traum aller Künstler, ihr Werk möge den Betrachter nachhaltig verändern?

Aboubacar Souaré: Ein „Spinnennetz des Friedens“ bauen

Aboubacar Souaré
Aboubacar Souaré

„Generell hängt die Akzeptanz der Friedensfachkräfte sehr von den persönlichen Fähigkeiten ab. Soziale Kompetenzen sind dabei wichtiger als die akademische Bildung.“ Aboubacar Souaré weiß, wovon er spricht: Seit 1995 arbeitet der Soziologe für den Weltfriedensdienst (WFD), seit 2008 als ZFD-Fachkraft. Vor dieser Zeit war der gebürtige Guineer Gymnasiallehrer und Universitätsdozent.

2007 ist er dann in seine Heimat zurückgekehrt: „Als ich die Gelegenheit bekam, mich in dem Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, für die Demokratisierung einzusetzen, nahm ich sie gern sofort an.“ Vor Ort arbeitet er mit der guineischen Menschenrechtsorganisation OGDH (Organisation Guinéenne de Défense des Droits de l’Homme et du Citoyen) zusammen. Das Projekt vernetzt verschiedene Akteure der Zivilgesellschaft mit der Polizei, dem Militär und Beamten. In sogenannten „Friedensforen“ werden verschiedene Positionen zu aktuellen politischen Themen am Runden Tisch diskutiert. Diese Gespräche werden dann über Radiosender oder im Fernsehen verbreitet, so dass auch die Bevölkerung an den Prozessen teilnimmt.